Kategorie: Allgemein

  • Erste Strategiekonferenz im deutschsprachigen Konferenz erfolgreich beendet!

    Erste Strategiekonferenz im deutschsprachigen Konferenz erfolgreich beendet!

    Am Wochenende vom 19.-20. Mai 2018 fand die erste Strategiekonferenz der IWW im deutschsprachigen Raum statt. Zahlreiche Wobblies aus Österreich, der Schweiz und Deutschland trafen sich in Hamburg. Wir haben sowohl über unser Gewerkschaftsverständnis diskutiert als auch Aktionsfelder für unsere zukünftige Praxis abgesteckt. Diese verorten wir in den Bereichen Gesundheit und Soziales, Logistik und der kollektiven Selbsthilfe.

  • I’m a better anarchist than you

    I’m a better anarchist than you

    Am 07.05.2018 durften wir einen wunderbaren und unterhaltsamen musikalischen

    Abend mit Fellow Worker David Rovics genießen. David Rovics spielte im Rahmen seiner Ballad of a Wobbly World Tour, auf Einladung der IWW Wien, im Cafe Carina aktuelle Titel seines neuen Albums, sowie einiger seiner Klassiker, wie z.b. I’m a better anarchist than you

    In seinen sozialkritischen Liedern singt David Rovics gegen Krieg und soziale Ungerechtigkeit. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit Hilfe seiner Songs die Geschichte sozialer Bewegungen zu erzählen und historische Personen und Ereignisse vor dem Vergessen zu bewahren.

    https://davidrovics.bandcamp.com/

    Eine Rezension seines Albums findet ihr auch in der SOLID! Nr. 1-2018

  • Uber und der neoliberale Fortschritt

    Uber und der neoliberale Fortschritt

    (von X 370348)

    Uber ist vorübergehend eingestellt, und die Lager brodeln. Zuerst haben die Taxler*innen gegen den Konzern gestreikt und nun hat eine Taxifirma eine einstweilige Verfügung erwirkt, die Uber auch hier endgültig verbieten könnte. Die Frage scheidet die Geister. Ein Aspekt, der im medialen Mainstream jedoch, wenn überhaupt, nur am Rande aufblitzt, ist die Seite der Fahrer*innen.

    Arbeiten ohne ausreichenden Versicherungsschutz, mit eigenen Arbeitsmitteln und Löhnen weit unterm Mindeststandard: Wiener Normalzustand? Für viele Arbeiter*innen ohne österreichische Staatsbürgerschaft ist es das. Denn die Arbeitserlaubnis öffnet noch lange nicht die Pforte in ein Arbeitsverhältnis mit Versicherungsschutz. Doch gerade bei den meisten „typisch migrantischen“ Jobs wird risikoreiche Arbeit ausgeübt, weil es keine anderen Stellen für sie gibt. „Mein Führerschein ist mein einziger hier anerkannter Abschluss„, erzählt exemplarisch für viele ein Akademiker aus Syrien gegenüber der IWW Wien und transportiert Nacht für Nacht Personen ohne Ruhezeit, Pausenrecht und Versicherungsschutz durch Wien. Im Auftrag einer kleinen Mietwagenfirmen, die mit der Uber App arbeitet. Es gibt unzählige davon und sie unterscheiden sich nur minimal. In einem sind sie alle gleich: Sie treten gültiges Arbeitsrecht mit Füßen und schrauben die Ausbeutung auf ein Niveau, das sich nicht einmal Großkonzerne mit gekauften Betriebsräten mehr leisten könnten. Vor allem tun sie es mit einer Selbstverständlichkeit, weil „mit uns können sie es machen, sie glauben die Flüchtlinge kennen sich eh nicht aus„. Das mag in manchen Fällen auch stimmen, geflüchtete Menschen haben wohl oft andere Dinge im Kopf als Arbeitsrecht in der neuen Zwangsheimat.

    Fast alle Arbeiter*innen bei Mietwagenfirmen sind nur geringfügig oder knapp darüber gemeldet, arbeiten aber weit über Vollzeit. Im Idealfall bekommen sie das, was sie tatsächlich leisten, dann schwarz zusätzlich ausbezahlt – meistens aber nur einen kleinen Teil. Um Zuschläge oder Sonderzahlungen fallen sie ohnehin um. Natürlich betrifft dies nicht nur geflüchtete Menschen, denn immer mehr Menschen, egal ob geflüchtet oder nicht, sind hierzulande auf solche prekären Jobs angewiesen. Dazu zählen auch unzählige Lieferdienste, bei denen migrantische Arbeiter*innen mit privaten KFZ genauso unversichert und zu Niedrigstlöhnen der unteren Mittelschicht ihre abendlichen Pizzen liefern oder Nacht für Nacht die morgendliche Zeitung zustellen. Ein Komfort, der den Arbeiter*innen vieles kostet und alles kosten kann. Denn diese Arbeitsverhältnisse können verheerende Auswirkungen haben. Die Niedriglöhne und die ungesicherten Bedingungen treiben entweder langsam (Stichwort „working poor“) oder schlimmstenfalls sogar mit einem Schlag in die akute Armut. Was, wenn etwas passiert und horrende Krankenhauskosten zu blechen sind? Was, wenn Fahrzeug oder Führerschein abhandenkommen? Was, wenn man von einem Tag auf den anderen abgemeldet wird? Denn ohne Vertrag gibts natürlich auch keine Kündigungsfrist. Kaum jemand ohne anerkannten Abschluss (in manchen Bereichen auch mit einschlägigen Abschlüssen wie beispielsweise in den frauendominierten Teilzeitsümpfen Sozialbereich und Einzelhandel) schafft es heute noch irgendwo Vollzeit gemeldet zu sein, und dann auch noch lange genug, um AMS-Anspruch zu haben. Bleibt also die Mindestsicherung, die bekanntlich für geflüchtete Personen auf unfassbare 500 Euro reduziert werden soll, die generell immer schwieriger zu beziehen ist und für die die Wartezeit sich Monate hinzieht. Für eine Delogierung kann in Wien auch schon ein Monat ohne Einkommen reichen. Zum Erfrieren im Winter eine Nacht. Und die Masse der „working poor“ in Österreich wächst.

    Vieles davon geschieht in einer Subgesellschaft, in der Altimmigrierte, die jahrzehntelang nie eine Chance zum sozialen Aufstieg bekamen, jetzt untere Mittelschicht zu bleiben versuchen, indem sie Neuimmigrierte bis aufs Letzte auspressen, als wären sie im rechtsfreien Raum. Und betrachtet man die zuständige Interessensvertretung, dann trifft das beinahe zu. Doch die Gewerkschaften in der sogenannten Sozialpartnerschaft und deren Missachtung ihrer Basis und gesellschaftlicher Randgruppen stehen auf einem ganz anderen Blatt. Bezeichnend für die Verfasstheit unserer Gesellschaft ist, dass in der aktuellen Debatte rund um Uber die Arbeitsbedingungen in der Relation mit der Geschäftsschädigung der Taxifirmen kaum Platz einnehmen. In erster Linie heißt es Kund*innen vs. Kapitalkonkurrent*innen. Im innerkapitalistischen Disput um die Legalität, sind die Fahrer*innen der Spielball, die zwar nach aktueller einstweiliger Verfügung nicht mehr persönlich abgestraft werden, sondern die Firma selbst ist betroffen, jedoch zittern Hunderte nun um ihren Arbeitsplatz. Ob Uber es schaffen wird, die erforderlichen Auflagen für den Weiterbetrieb in Wien zu erfüllen, ist fraglich. Fakt ist, dass selbst, wenn der Konzern dies schafft, er niemals die Arbeitsbedingungen verbessern oder überhaupt komplett legalisieren wird. Denn die maximierte Ausbeutung via App ist Teil des Konzepts. Und wer kämpft gegen Uber? Die Konkurrenz wegen Preisdumping. Und wer kämpft für Uber? Die Nutzer*innen aus demselben Grund. Das Thema Scheinselbstständigkeit (noch harmloser kann mensch solche üblen Jobrahmen kaum formulieren – Danke GPA-djp übrigens…) wird zwar hie und da erwähnt, aber da gehts dann um die Steuern, die dem Staat entgehen. Die öffentliche Hand hat also ihre Lobby, und die Konkurrenzfirmen auch. Die, denen durch maximierte Ausbeutung am meisten gestohlen wird, die Fahrer*innen, haben keine Lobby.

    Denn wer sich Unterstützung oder gar Eigenorganisationsmöglichkeiten bei der offiziell zuständigen Gewerkschaft erhofft, wird bereits vom Webauftritt der GPA IG-Migration (der Interessensvertretungsbereich für in Österreich Arbeitende ohne inländische Staatsbürgerschaft) eines Besseren belehrt. Mensch findet dort eine Basisbroschüre über Arbeitsrecht auf Türkisch und BSK, einen Leitfaden für ausländische Studierende und einen Link zu einer Studie, die zeigt, dass Migrant*innen am österreichischen Arbeitsmarkt diskriminiert werden. Soweit so unnützlich für die große Masse der von zunehmender Ausbeutung betroffenen Menschen mit eher frischerem Migrationshintergrund, folglich anderen Sprachkenntnissen, die von Armut trotz Arbeit betroffen sind, und für die ein erschwerter Studienzugang eher ein weit entferntes Luxusproblem ist. Das Team der IG Migration besteht übrigens aus drei hauptamtlichen nichtmigrantischen GPA-Angestellten. Das erklärt natürlich auch die wesensfremde Themenfindung. Stellvertreter*innen- und Servicepolitik funktioniert also auch hier schon gar nicht. Eine Solidarisierung und Vernetzung der Betroffenen und etwaigen Unterstützer*innen ist das einzige, was helfen kann, um nicht ökonomisch und in der Perspektivenlosigkeit unterzugehen. Solange es genug Arbeiter*innen gibt, die diese Bedingungen hinnehmen, solange funktioniert auch dieses prekär übersteigerte Subsystem. Gibt es die aber nicht mehr, und immer mehr sagen bereits vorab Nein zum Raub ihrer Leistung, müssen die unzähligen Mietwagenfirmen und Zustellunternehmen die Bedingungen fairer gestalten. Ausgebeutete stellen immer eine Mehrheit, und werden sie sich derer erst bewusst, entdecken sie auch ihre Macht.

    Log out and join the union!

  • SOLID! Ausgabe 2 2018 erschienen

    SOLID! Ausgabe 2 2018 erschienen

    Die zweite Ausgabe der Flugschrift SOLID! der IWW Wien ist erschienen.

    Unter anderem mit folgenden Themen: 

    • Der Warnstreik! Ein Interview mit einer Fellow Worker und Mitglied eines Streikkomitees im Gesundheits- und Sozialbereich.
    • Erfolg für singende Kellner*innen.
    • Normalzustand Niedriglohn, Geflüchtete arbeiten oft ohne Rechte.
    • Wyh do we celebrate Mayday.
    • Couriers network formed.

    Die aktuelle Ausgabe könnt ihr hier herunterladen: Ausgabe2_2018

    Gerne schicken wir euch ein oder mehrere gedruckte Exemplare kostenlos zu. Schreibt uns einfach ein E-Mail an wien@iww.or.at.

     

  • Konzert: Ballad of a Wobbly World Tour in Wien

    Konzert: Ballad of a Wobbly World Tour in Wien

    Die IWW Wien lädt zum Konzert von David Rovics.

    Der New Yorker Singer/Songwriter und Aktivist David Rovics kommt anlässlich seiner „Ballad of a Wobbly“-Tour zum ersten Mal nach Österreich. In seinen sozialkritischen Liedern singt David Rovics gegen Krieg und soziale Ungerechtigkeit. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit Hilfe seiner Songs die Geschichte sozialer Bewegungen zu erzählen und historische Personen und Ereignisse vor dem Vergessen zu bewahren.

    https://davidrovics.bandcamp.com/

    Eintritt gegen freie Spende!

    07. Mai 2018, 20:00 Uhr.

    Ort: Cafe Carina, Josefstädter Straße 84, 1080 Wien.

    https://www.facebook.com/events/245114256051560/ 

  • IWW Gewerkschaft gewinnt Vergleich, 500 000$ an Löhnen zurückgezahlt!

    IWW Gewerkschaft gewinnt Vergleich, 500 000$ an Löhnen zurückgezahlt!

    IWW Gewerkschaft gewinnt Vergleich, 500 000$ an Löhnen zurückgezahlt!

    Die Stardust Family United (SFU), eine der IWW angeschlossene Gewerkschaft, hat einen großen Sieg im Arbeitskampf mit dem Inhaber eines New Yorker Restaurants errungen! 31 Arbeiter*innen werden wieder eingestellt und ausstehende Löhne in der Höhe von $490,000 ausgezahlt.

    Die SFU hatte sich 2016 gegründet, um die unterbezahlten Beschäftigten des “Ellen’s Stardust Diner“ gegen ausbeuterische Praktiken zu verteidigen. Die Arbeiter*innen wehrten sich unter anderem gegen unsichere Arbeitsbedingungen, die zu Verletzungen geführt hatten und machten ihren Protest im Betrieb selbst, auf der Straße und auf dem Arbeitsgericht deutlich. Trotz der Versuche des union bustings durch die Geschäftsleitung (zum Beispiel mit „anonymen“ SMS an die Arbeiter*innen und Entlassungswellen) blieben die Mitglieder der SFU standhaft und können nun einen weiteren Sieg für sich verbuchen.

    Die Geschäftsleitung willigte einem Vergleich ein, nur kurz bevor sie sich wegen insgesamt 19 illegalen Praktiken (darunter die illegale Bewachung der Beschäftigten) vor Gericht hätte verantworten müssen. Alle 31 Arbeiter*innen, die zuvor wegen ihrer gewerkschaftlichen Aktivitäten entlassen wurden, werden nun wieder eingestellt und erhalten den gesamten Lohn für die Zeit ihrer Entlassung!

    Wir gratulieren den Arbeiter*innen der SFU! Solidarity forever!

    Weitere Infos zur Stardust Familiy United gibt es hier: http://www.stardustfamilyunited.com/

  • Zum 8. März 2018: Brot und Rosen!

    Zum 8. März 2018: Brot und Rosen!

    „[Etwas mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung sind] Frauen. Sie stellen ein Drittel der Beschäftigten, leisten aber zwei Drittel der Arbeitsstunden. Trotzdem verdienen sie nur ein Zehntel des Welteinkommens und besitzen nicht einmal ein Prozent der Reichtümer dieser Erde.“ Verfasser*n unbekannt

    In der IWW waren Frauen von jeher maßgeblich in allen Positionen vertreten und Vorreiter*innen für eine gerechtere Welt. Bereits bevor das Frauenwahlrecht sich durchsetzte, waren die Frauen der IWW führende Köpfe der Arbeiter*innenbewegung. Frauen wie Emma Goldman, Mother Jones oder Helen Keller kämpften bereits vor über hundert Jahren für eine gerechtere Welt. Unvergessen bleibt der „Brot und Rosen“-Streik, wo Frauen ihr Recht einforderten: “We Want Bread and We Want Roses, Too.”

    Die Interessen von Frauen und Männern unterscheiden sich in der Arbeitswelt sehr von einander: Die meisten Frauen arbeiten in niedriger entlohnten Teilzeitstellen und kämpfen mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, was sie wiederum in der Wahl ihrer Arbeitsstellen stark einschränkt. Weiters werden Frauen in so genannte „Frauensektoren“ hineinberaten, ohne Rücksicht auf ihre wirklichen Stärken und Interessen. Frauen werden in der Arbeitswelt wesentlich stärker ausgebeutet als Männer, schlechter entlohnt und haben schlechtere Ausbildungschancen.

    Das alles sollten wir nicht einfach so hinnehmen. Wir Frauen müssen uns unsere Rechte erkämpfen, erkennen wo Ungerechtigkeiten sind und uns dagegen wehren. Gemeinsam können wir unsere Ziele erreichen. Kämpfen wir gemeinsam gegen Sexismus, Ausbeutung, Rassismus und für bessere Voraussetzungen für kommende Generationen!

     

     

  • Wieder mal umgefallen? – Selbstorganisation statt Interessenvertretung!

    Wieder mal umgefallen? – Selbstorganisation statt Interessenvertretung!

    Die Niederlage bei den SWÖ-Kollektivvertragsverhandlungen offenbart die Schwächen von Interessenvertretungen wie GPA/djp und vida. Die Selbstorganisation in basisdemokratischen Gewerkschaften bietet eine Alternative für all jene, die sich nicht mehr einreden (lassen) wollen, dass sie am kürzeren Ast säßen.

    Nach den Warnstreiks vom 16. und 17. Februar 2018 kam es in der diesen folgenden Verhandlungsrunde zum SWÖ-Kollektivvertrag zu einem Abschluss. Hätte es keinen Abschluss gegeben, wären diese Woche wieder Betriebe bestreikt worden. Viele Belegschaften waren bereit weiter für ihre Anliegen zu kämpfen. Vor allem die Forderung nach einer Verkürzung der Arbeitszeit auf 35 Stunden pro Woche konnte viele von uns mobilisieren – und wurde zugunsten des Abschlusses aufgegeben.

    Entsprechend ernüchtert bis wütend waren die Reaktionen auf die Versuche der Gewerkschaften GPA/djp und vida, das Verhandlungsergebnis als Erfolg darzustellen. Als Betroffene fühlen wir uns von den Verhandler*innen verraten.
    GPA/djp und vida tun, was sie nach jeder Niederlage machen: Sie beschwichtigen und erklären uns, dass ohne sie alles noch viel schlimmer wäre.
    Und viele Angestellte artikulieren ihren Zorn über die Weigerung der Verhandler*innen von GPA/djp und vida, ihren durch die zuletzt gut gelaufenen Mobilisierungen geschaffenen Spielraum auch auszunutzen.

    Es wirkt fast wie ein Ritual, das sich jedes Jahr wiederholt: Die Vertretenen klagen, dass ihre Interessen verraten wurden und die Vertreter*innen beklagen den mangelnden Rückhalt und die mangelnde Mobilisierung der Belegschaften. Diesmal ist die Situation jedoch anders, da die Mobilisierungen gut angelaufen waren, trotz angedrohter Repressalien durch manche Geschäftsführungen und kaum vorhandener Unterstützung seitens der Apparate von GPA/djp und vida. Schlüssig begründen können GPA/djp und vida ihre mangelnde Kampfbereitschaft somit nicht.

    Anstatt hier die einzelnen Versäumnisse polemisch breitzutreten, wollen wir nun aber zwei grundsätzlichere Fragen stellen: Ist die Ursache für dieses wiederkehrende Problem nicht vielleicht im Konzept Interessenvertretung selbst zu finden? Und welche Vorteile bringt die Selbstorganisation der Betroffenen?

    Das Konzept der Interessenvertretung sieht vor, dass Vertreter*innen sich um die Interessen von uns Arbeitenden kümmern. Sind wir unzufrieden könnten wir ja beim nächsten Mal jemand anders wählen. Dazu kommt jedoch, dass diese Vertretungsorganisationen oft Eigeninteressen verfolgen. Die Gründe dafür sind vielfältig: parteipolitische Interessenkonflikte, Abhängigkeitsverhältnisse, PR-Strategien, …
    Für viele Angestellte ist dieses Modell ebenso verlockend. Viele von uns haben nicht die notwendige Zeit, manche keine Lust, selbst was auf die Beine zu stellen. Hinzu kommt, dass es in Österreich eine lange Tradition der Unterwürfigkeit gibt und wenige erfolgreiche basisdemokratische Mobilisierungen gab, die uns zum Handeln ermutigen würden. So ist es verständlich, dass viele von uns in einer riskanten, unbekannten Konfliktsituation nach vermeintlichen Expert*innen rufen, die sagen können, wo es langgeht und uns am besten auch noch das Risiko abnehmen.
    Organisationen mit diesem Konzept nehmen diesen Ball dann gerne auf und leiten für sich gleich einen Führungsanspruch ab. So wollen sie nicht nur für uns verhandeln, sondern auch für uns entscheiden. Und das Verhalten der Belegschaften kontrollieren können – damit ihre Rolle als alleinige Interessenvertretung nicht in Gefahr gerät.

    Entsprechend informieren sie uns lediglich über die Verhandlungsergebnisse und lassen uns nicht darüber abstimmen, ob der verhandelte Kompromiss wirklich unserem Interesse entspricht. Auch das Abstimmungsverhalten der Verhandler*innen wird in der Regel nicht transparent gemacht, was uns die Kontrolle der Interessenvertreter*innen unmöglich macht.

    Somit kann es schnell passieren, dass die beste Mobilisierung wirkungslos bleibt. Denn die Arbeitgeber*innen haben es nur mit einem Team von Verhandler*innen zu tun und diese können – sofern sie Ergebnisse nicht von der Basis abstimmen lassen müssen – viel einfacher über den Tisch gezogen oder unter Druck gesetzt werden. Die Macht, die gut organisierte, solidarische Belegschaften in Arbeitskämpfen ausüben können, kommt nicht zur Geltung.

    Erfolgsversprechender könnte das basisdemokratische Modell der Selbstorganisation sein. Bei diesem finden wir uns in Betriebsgruppen in unseren Arbeitsstellen zusammen und entscheiden demokratisch, was wir tun und mit wem wir kooperieren wollen. Es gibt keine Vorsitzenden, die dann über unsere Köpfe hinweg entscheiden, sondern nur Delegierte, die den Standpunkt der Gruppe übermitteln.

    So entscheiden wir Betroffene selbst, ob wir für die Verbesserung unserer Arbeitsbedingungen oder Lohnerhöhungen streiken wollen und ob eine Lösung wirklich in unserem Interesse ist, oder nur ein fauler Kompromiss. Die Arbeitgeber*innen haben also ein viel mächtigeres Gegenüber und sitzen auf einem sehr viel kürzeren Ast.

    Wenn es zahlreiche Betriebsgruppen gibt, die sich gegenseitig solidarisch unterstützen, ist diese Organisationsform auch über Betriebs- und Branchengrenzen hinweg äußerst effektiv, ohne dass über die Köpfe der Betroffenen hinweg entschieden werden könnte.

    Dieses Modell ist nicht utopisch, sondern wurde und wird in vielen Arbeitskämpfen auf der ganzen Welt eingesetzt. Der Erfolg der Arbeitskämpfe hängt dabei vom Zusammenhalt und der Entschlossenheit der jeweiligen Beschäftigten ab.
    Diese haben eine große Palette an Handlungsmöglichkeiten. Dazu gehören Streiks, aber auch andere direkte Aktionen.
    Der Weg zum Gericht wird von uns nur im Ausnahmefall genommen, denn dort haben jene die besseren Karten, die mehr Geld haben und die Belegschaft kann den Ausgang eines Verfahrens kaum beeinflussen. Daher werden – im Unterschied zum Konzept der ÖGB-Gewerkschaften – Konflikte am Arbeitsplatz ausgetragen, also dort, wo die Belegschaft ihre volle Macht ausüben kann.

    Die IWW sind eine solche basisdemokratische Gewerkschaft. Wir bietet arbeitenden, aber auch z. B. arbeitslosen und pensionierten Menschen die Möglichkeit, in einer solidarischen Gemeinschaft gemeinsam für bessere Lebensbedingungen zu kämpfen. Die Erfahrungen, die diese Gewerkschaft seit ihrer Gründung im Jahr 1905 in Arbeitskämpfen in vielen Ländern gesammelt hat, sind die Grundlage für unsere Organisationsstruktur und unsere Strategie, Konflikte mit Arbeitgeber*innen, Behörden und anderen Gegner*innen auszutragen. Die Idee, sich selbst zusammenzuschließen und zusammenzuhalten ist ganz anders, als die Strategien von Interessenvertretungen und leicht zu erlernen.
    In Trainings lernen wir, wie wir beim Aufbau von solidarischen Betriebsgruppen an unseren Arbeitsstellen am besten vorgehen und in welche Fallen wir nicht tappen dürfen.
    Dazu gehört, dass wir uns überlegen, wie wir möglichen Diffamierungen und Repressalien der Geschäftsführungen entgegenwirken können – am besten schon im Voraus. Und wir erarbeiten und üben im Training, mit welchen Aktionen wir am besten Druck aufbauen können. Wir erarbeiten keine Lösungen für abstrakte Fallbeispiele, sondern für die konkreten Probleme, mit denen wir uns in unserem Arbeitsalltag herumschlagen müssen.
    Selbstorganisation ist für uns keine abgehobene Theorie, sondern ein alltagstaugliches Werkzeug zur solidarischen Selbstermächtigung.

    Du möchtest mehr über Selbstorganisation erfahren?

    Die möchtest gern mal IWWler*innen kennenlernen?

    Du hast ein Problem und brauchst Unterstützung?

    Melde dich bei uns oder triff uns bei unserem nächsten Wobblies in the Pub am Mo., 12.03.2018 um 19.00 Uhr im Schlupfwinkel (Wien 4, Kleine Neugasse 10).

  • Planen, Austauschen, Ideen sammeln

    Planen, Austauschen, Ideen sammeln

    Katzenkekse gibts nur für IWW-Mitglieder

    Gewerkschaftsarbeit bedeutet auch: nachdenken, Ideen entwickeln, planen. Mitte Jänner versammelten sich die Mitglieder der IWW Wien zum „Visioning“. Dabei handelt es sich um unser jährlich zu Jahresbeginn stattfindendes Planungstreffen, bei dem wir unsere Arbeit des vergangenen Jahres besprechen sowie Ideen fürs neue Jahr sammeln und deren Umsetzung planen.

    In den kommenden Monaten werden wir unsere Gewerkschaftsarbeit weiter intensivieren. Wir werden in den Betrieben, in denen unsere Mitglieder arbeiten, organisieren, uns am Widerstand gegen die Attacken der österreichischen Rechtsregierung beteiligen und viele weitere kleinere und größere Aktivitäten starten.

    Im vergangenen Jahr stießen einige neue Mitglieder zu unserer Gewerkschaft – und wir freuen uns auf viele weitere! Je mehr wir sind, desto effektiver können wir uns gemeinsam für unsere Interessen einsetzen!

  • AUFRUF ZU DEN WARNSTREIKS!

    AUFRUF ZU DEN WARNSTREIKS!

    AUFRUF ZU DEN WARNSTREIKS! Die IWW-Wien ruft dazu auf sich an den Warnstreiks diese Woche im Zuge der SWÖ-Verhandlungen zu beteiligen.