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IWW Wien | die solidarische Gewerkschaft
on 2. April 2020 Kunst und Kultur with 0 comments

Reflexionen aus der Quarantäne – eine Nicht-Anleitung zum Überleben

veröffentlicht von der IWW Italia unter dem Titel Riflessioni dalla Quarantena am 30. März 2020.

 

“Die Hoffnung ist kein Lottoschein, den du am Sofa sitzend fest umklammerst und dich glücklich fühlst. Die Hoffnung ist eine Axt, mit der du die Tür im Notfall durchschlagen kannst…” – Rebecca Solnit

 

Vorweg, ich, die das schreibt, habe Glück verglichen mit vielen anderen Personen: ich habe ein Haus, eine Arbeit, genügend Geld um Essen zu kaufen, ich kenne ausreichend Personen in meiner Stadt, die ich um Hilfe bitten könnte; ich bin in regelmäßigem Kontakt mit den Menschen, die ich liebe und lebe mit einem Menschen, der mich liebt und den ich liebe. Aus einem bestimmten Blickwinkel könnte man sagen, ich habe auch deshalb Glück, da mir mein Arbeitgeber erlaubt, in Sicherheit von zu Hause aus zu arbeiten und mir weiterhin Lohn zahlt.

 

Und trotzdem.
Und trotzdem finde ich mich oft weinend, in Angst oder großer Verzweiflung
Und trotzdem habe ich oft schreckliche Albträume.
Und trotzdem werde ich es langsam müde, weiterhin “produktiv”, “motiviert” und “enthusiastisch” zu sein, wie es der Arbeitgeber erwartet, während die Welt um mich herum zusammenbricht.
Und trotzdem fällt es mir wirklich schwer, diese “Gelegenheit zu nutzen”, um endlich “all die Bücher zu lesen” oder “die Serie auf Netflix anzuschauen, die ich schon lange sehen wollte”. Um mich zu “entspannen”, zu “entschleunigen”, mich “besser kennenzulernen”.

 

Und deshalb.
Und deshalb mache ich weiter, so gut ich kann.
Und deshalb versuche ich so gut es geht, diese Gefühle zu akzeptieren, anstatt sie zu ignorieren oder mich schuldig zu fühlen.
Und deshalb lese ich manchmal ein Buch oder schaue eine Serie. Aber wenn mir das nicht gelingt, weil ich zu unruhig bin, fühle ich mich sicher nicht schuldig.
Und deshalb überwinde ich mich, wenn ich hinaus gehe, den Menschen zuzulächeln anstatt den Blick unten am Boden zu halten.
Und deshalb helfe ich, so gut ich kann, schließe mich Solidaritäts-Gruppen an oder spende Vereinen, die Menschen in schwierigen Situationen helfen.
Und deshalb beteilige ich mich an jenen Initiativen und Bewegungen, die dieser Tage entstehen, zwinge mich, weiter auf Hoffnung, Solidarität und Widerstand zu setzen, um eine andere Zukunft aufzubauen, so schwierig das in diesem Moment vorstellbar ist.

 

“Man kann die Revolution nicht kaufen. Man kann die Revolution nicht machen. Man kann nur die Revolution sein. Sie ist in euch oder nirgendwo.” – Ursula Le Guin

 

Kunstwerke aus der Reihe What To Do In a Pandenic von Ricardo Levins Morales. Die Werke können für den nicht-gewerblichen Gebrauch kostenlos von seiner Internetseite heruntergeladen werden.