Autor: Redaktion

  • [:de]SOLID! 1/2021 erschienen[:]

    [:de]SOLID! 1/2021 erschienen[:]

    [:de][:de]Frisch aus der Druckerpresse – und natürlich auch online: die neue Ausgabe unserer Flugschrift SOLID!

    Wenn du die SOLID! gedruckt in Händen halten willst, schreib uns! Wir schicken dir gern eins oder mehrere Exemplare zu.

    Themen dieser Ausgabe:

    – Worker Center in Ottakring
    – Aktuelle Klassenkämpfe in Österreich und weltweit
    – Sexismus am Arbeitsplatz
    – Gesetzliche Regelung von Homeoffice
    – Nachruf Anne Feeney[:][:]

  • [:de]Kleine Erfolge, langer Atem[:]

    [:de]Kleine Erfolge, langer Atem[:]

    [:de]Wir werden oft gefragt, was wir eigentlich so machen. Was das bedeutet, sich in der IWW zu organisieren, und was das konkret bringt. Die Antwort auf diese Fragen ist ganz einfach: kurzfristig bringt die Mitgliedschaft in unserer Gewerkschaft unmittelbare und bedingungslose Unterstützung bei Konflikten mit Chef*innen oder anderen Personen, die dir das Leben schwer machen. Gut, wenn dein Nachbar zu laut Musik hörst, musst du damit schon selbst klar kommen – aber wenn dein Boss, deine Vermieterin oder ein paar Polizeibeamt*innen dir Probleme machen, kommen wir ins Spiel. Vor einigen Monaten etwa wollte der Boss einer Fellow Workerin sie während des Krankenstands kündigen. Das Arbeitsrecht wäre sogar auf seiner Seite gewesen, und ÖGB oder AK hätten unserer Kollegin wohl nur alles Gute für die Arbeitssuche gewünscht. Wir nicht. Wir haben zusammen mit der Betroffenen bei ihrem Chef interveniert. Das hat gewirkt, und die Kündigung wurde zurückgenommen. Es ist nicht immer so einfach, aber erstaunlich oft.

    Es bringt etwas, sich zu wehren, und die IWW ist auf deiner Seite, wenn du dich wehrst. Bei uns sind Leute dabei, die in unterschiedlichen Branchen arbeiten und vielfältige Erfahrungen mit Arbeitskämpfen und kleineren Auseinandersetzungen mit Vorgesetzten und Chef*innen haben. Mit diesen Erfahrungen im Hintergrund unterstützen wir einander gegenseitig. Das ist der kurzfristige Nutzen einer Mitgliedschaft in der IWW. Der langfristige Nutzen ist auch schnell zusammengefasst: du wirst in einer befreiten Gesellschaft leben! Zugegeben, die Weichen stehen grad nicht direkt in diese Richtung, aber wir arbeiten sehr hart daran, diese umzulenken. Und wir haben einen langen Atem. Gemeinsam schaffen wir es schneller![:]

  • [:de]Zum 1. Mai und Ankündigung in eigener Sache[:]

    [:de]Zum 1. Mai und Ankündigung in eigener Sache[:]

    [:de]Wir wünschen allen Fellow Workers, Genoss:innen und Kolleg:innen einen kämpferischen 1. Mai!

    Jedes Jahr ist Krisenjahr, aber seit dem Beginn des Seuchenkapitalismus haben sich die realen Arbeitsbedingungen vieler Menschen massiv verschlechtert, hinzu kommen unzählige Arbeitslose. Begleitet wird das ganze von psychischen Folgen dieser permanenten Endzeitstimmung, eine gesellschaftliche Stimmung zwischen Ausnahmezustand, Ermüdung und Aussichtslosigkeit. Auch die wirtschaftlichen Folgen werden uns wohl noch lange begleiten und wie üblich auf dem Rücken von uns Arbeiterinnen ausgetragen. Mit dem Kapitalismus hat die Pandemie einen denkbar fruchtbaren Boden zur Ausbreitung gefunden: Profitinteressen verunmöglichen, das ist offensichtlich geworden, eine vernünftige und wirksame Bekämpfung von Covid. Patentrechte, diese wortwörtlich Leichenberge verursachende Grausamkeit, werden den (meisten) Bewohnerinnen des globalen Südens noch Jahre die Impfung verweigern. So weit, so schlecht.

    Wir gehen dennoch, eigentlich auch gerade deshalb, wieder zum heutigen Ersten Mai auf die Straße, um unseren Widerspruch zu diesem System zu demonstrieren. Um 12 Uhr treffen ein paar von uns sich mit anderen wütenden Arbeiter:innen bei der U3 Station Ottakring, um die Mayday-Parade zu begehen. Wir freuen uns, euch alle dort zu sehen! Danach geht es gemeinsam zum Keplerplatz, wo ab 14 Uhr ein Straßenfest stattfindet.

    IWW ist jetzt IWW Plus?

    Nicht ganz, aber wir möchten den Anlass tatsächlich nutzen, um eine kleine Verkündung in eigener Sache zu machen: die „IWW Wien“ heißt künftig „IWW in Österreich“. Dieses Ergebnis einer kleinen Strukturreform soll dem erfreulichen Umstand gerecht werden, dass wir in den meisten Bundesländern aktive Mitglieder haben und diese österreichweite Verteilung auch in unserem Namen bzw. auf unseren social-media-Plattformen sichtbar machen wollen. Neben Wien haben wir außerdem auch in Salzburg und Innsbruck aktive Wobblies. Das Wachstum der IWW in Österreich letzten zwei Jahre ist beinahe exponentiell! Der Kurs stimmt!

    Außerdem haben wir ein neues Zuhause in Wien gefunden: wir sind seit Jahresbeginn Mitglied im Verein Volxclub! Am Familienplatz 6 in Ottakring teilen wir uns die schönen Räumlichkeiten gemeinsam mit anderen linken Organisationen (Junge Linke, KPÖ, Rote Hilfe Wien) und den Vereinsmitgliedern. Hier wollen wir gewerkschaftliche Erstberatung anbieten, im Barbereich hin und wieder „Wobblies im Pub“ veranstalten und unsere Bibliothek aufstocken. Über unsere Raumpläne erfahrt ihr in der bald erscheinenden nächsten Ausgabe der SOLID! mehr.

    In der Hoffnung, euch alle hoffentlich bald im Volxclub begrüßen zu können wünschen wir euch zum Abschluss noch einmal einen guten Ersten Mai! Alle Mitglieder lesen in Kürze in der SOLID! von uns. Allen anderen legen wir ans Herz, den revolutionären 1. Mai zum Anstoß zu nehmen, sich zu organisieren: am besten in der stabil antikapitalistischen, globalen Basisgewerkschaft der Industrial Workers of the World.[:]

  • [:de]SOLID! 2/20 erschienen[:]

    [:de]SOLID! 2/20 erschienen[:]

    [:de]Gerade noch, bevor dieses 2020 zu Ende geht, ist endlich die zweite SOLID!-Ausgabe dieses Jahres erschienen: SOLID! 2/2020

    Wenn du die SOLID! gedruckt in Händen halten willst, schreib uns, wir schicken dir gern eins oder mehrere Exemplare zu!

    Die Themen dieser Ausgabe:

    • Arbeiten & Arbeitskampf im Home Office
    • Solidarität gegen Repression
    • Corona & Organizing
    • Nachruf David Graeber
    • u.a.

    Alles bisher erschienen Ausgaben der SOLID! sowie weitere Materialien der IWW Wien findest du hier: Materialien & Broschüren[:]

  • [:de]Keine falschen Hoffnungen: Die Ausbeutung geht weiter – unser Kampf auch[:]

    [:de]Keine falschen Hoffnungen: Die Ausbeutung geht weiter – unser Kampf auch[:]

    [:de]Stell dir vor, es ist der 1. Mai inmitten der größten Arbeitslosigkeit seit 1945: Und (fast) keiner geht hin. Wie bei so vielen Dingen zurzeit bedeutet das einen tragischen Einschnitt, dem zumindest wichtige Erkenntnisse abzuringen sind: Was als großer Kampftag begann, ist schon seit Generationen ein rituelles Stell-dich-ein der Staatsräson. Wenn am Rathausplatz noch schnell die Internationale angestimmt wird, bevor es zum Würschtlstand geht, dann wissen alle Anwesenden: Hier wird nicht die Welt verändert, höchstens noch ein Parteichef davongejagt. Dieses Jahr spüren wir das besonders.

    Und so müssen wir leider feststellen, dass die Welt am 2. Mai auch dieses Jahr aussieht wie am 30. April. Das einzige, was dieses Jahr fehlt, ist das zertrampelte Partei-Fähnchen auf der Straße. Doch freudig stimmt das nicht, während unzählige Schicksale die Räder eines Systems zu spüren bekommen, das nie für sie gedacht war.

    DIE AUSBEUTUNG GEHT WEITER – UNSER KAMPF AUCH
    Ein ernüchterter Redebeitrag der IWW Wien zum Ersten Mai des Seuchenkapitalismus

    Die Zahlen sind brutal. In Österreich erleben wir die höchste Arbeitslosigkeit seit 1945, mehr noch: So viele Arbeitslose gab es auch in der 1. Republik nicht. Eine halbe Million Menschen in Österreich steht derzeit ohne Lohnarbeit da: Doppelt so viele als im Vorjahr. Und das ist nur eine Momentaufnahme, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Textes längst überholt ist. Was sich leider nicht ändern wird: Arbeiter*innen mit Migrationshintergrund sind von der aktuellen Kündigungswelle überproportional betroffen. Während die einen, zum Nichtstun verdammt, um ihre Existenz bangen müssen, müssen die anderen alle Last schultern. Vor allem im Pflege- und Sozialbereich, aber auch in anderen Branchen, müssen viele Arbeiter*innen zusätzlich massive Überstunden leisten, als ob der normale Wahnsinn sie nicht schon genug gefordert hätte. In Krankenhäusern ebenso wie in Pflegeeinrichtungen schuftet medizinisches Personal und Pleger*innen weit über der Schmerzgrenze. Auch in unzähligen Büros konzentriert sich derzeit die Arbeit auf den Schultern jener wenigen, die nicht in Kurzarbeit geschickt wurden. Wer wiederum das Privileg der Kurzarbeit genießt, sucht in der seltsamen Situation der Ausgangssperre kombiniert mit unerwartet viel „Freizeit“ nach Formen der Beschäftigung. Doch es entschleunigt sich nicht leicht in der apokalyptischen Stimmung. Die bedrückende Atmosphäre bleibt. Nicht nur die Arbeitswelt, die Produktionssphäre, scheint global auf den Kopf gestellt. Nahezu sämtliche Bereiche der Gesellschaft sind stark verlangsamt oder im Stillstand.

    The end of the world as we know it?
    Schon bald kamen die ersten linken Analyseversuche der aktuellen Situation. Es fällt jedoch auf, dass die Linke und Linksradikale unbeholfen mit dieser unsichtbaren Feindin umgeht. Vor allem zwei Argumentationsmuster prägen dieser Tage die meisten Texte: Erstens jenes der sozialen Aspekte, also die Beschreibung und Kritik des kaputtgesparten Gesundheitssystems, der Pflege oder der durch Konkurrenzprinzip gelähmten Forschung. Das zweite Argumentationsmuster problematisiert die staatlichen Maßnahmen, den weiteren Ausbau totalitärer Tendenzen, die Einschränkungen bürgerlicher Freiheiten und die Zunahme an staatlicher Überwachung und Kontrolle. Der Blick in die Zukunft fällt dann meistens, so der Eindruck, positiv aus: Die Fragilität des kapitalistischen Systems werde allen deutlich, sein Taumeln würde die Krisenanfälligkeit offenlegen und die Welt „danach“ werde jedenfalls eine andere sein. Mit dem ergänzenden Hinweis auf vereinzelte widerständische Kräfte vielerorts, etwa durch Streiks sowie einer Welle der Solidarität durch Nachbarschaftshilfen und Ähnlichem, entsteht so das Bild einer gesellschaftlichen Entwicklung, die den Anfang vom Ende einläutet.
    Ohne diese Aufbruchsstimmung bremsen zu wollen und in aufrichtigster Hoffnung, eines Besseren belehrt zu werden, sehen wir eine Welt vor uns, die dem nicht Folge leistet. So haben die aufrichtigen Bemühungen der Arbeiter*innen in der Sozialwirtschaftsbranche, sich endlich einen etwas besseren Kollektivvertrag zu erkämpfen, im Fahrschatten der Coronakrise einen enormen Rückschlag erhalten. Aus der Mindestforderung einer 35-Stunden-Woche wurde eine Reduktion der Arbeitszeit ab 2022 (!) um eine (!) Stunde, die sich die Arbeiter*innen durch eine Reduktion der Überstundenzuschläge gleich noch selbst bezahlen. Auf drei Jahre hin wurden damit den Kräften der Arbeiter*innen Fesseln angelegt, die zeigen, dass die Systemgewerkschaften und auch die Sozialwirtschaft selbst immer nur eine passende Gelegenheit vom Übergehen unserer Bedürfnisse entfernt sind. Was tun, in dieser Zeit der Rückschläge, Isolation und Vereinzelung?

    La lotta continua!

    Zunächst sollten keine falschen Hoffnungen geschürt werden, um eine große Enttäuschung zu vermeiden. „Geduld ist eine revolutionäre Eigenschaft“. Wir werden einen langen Atem brauchen, um irgendwann nicht schwächer, sondern stärker dazustehen. Wir werden vermutlich einer Stimmung der Apathie, der Erholung, des Durchatmens entgegenwirken müssen. Der zynischen Rede einer „Chance“, die das massenhafte Sterben eröffnet, sollte nüchtern entgegengehalten werden, dass die kommende Krise mit großer Wahrscheinlichkeit nicht den kommenden Aufstand einläuten wird. Dennoch ist das mitnichten ein Plädoyer zur Resignation. Im Gegenteil: Je realistischer wir die Ausgangslage einschätzen, desto besser sind wir vorbereitet. Vielversprechend ist beispielsweise die Ausgangslage von Arbeiter*innen im Pflege- und Gesundheitsbereich. Dass man von Dankesreden und Klatschgesten keine Miete bezahlen kann, leuchtet allen ein. Hier wäre gerade durch Corona wohl großer gesellschaflicher Rückenwind für Arbeitskämpfe zu erwarten. In anderen Sparten werden die Kämpfe sich wohl mehr gegen Kürzungen und eine weitere, bevorstehende Entlassungswelle richten müssen. Wie sich ökonomische, soziale und politische Kämpfe verknüpfen lassen, sollte Gegenstand künftiger Strategiedebatten sein. Parkett von Debatten und Kämpfen, die nicht in der Vereinzelung aufgehen wollen, ist die Organisierung. Wir laden alle herzlich ein, sich uns, einer globalen Organisation des sozialen Kampfes, anzuschließen.1 Eine harte Zeit mag kommen. Setzen wir auf unsere stärkste und zärtlichste Kraft gegen die Härte des Alltags: Solidarität! Mit den verschiedenen 1. Mai-Veranstaltungen gibt es heute eine Gelegenheit, diese Kraft kollektiv auf die Straße zu tragen: in Wien um 10 Uhr vor dem Rathaus für bessere Bezahlung im Gesundheits- und Sozialbereich, um 12 Uhr auf der Mayday am Praterstern und um 15 Uhr bei der Fahrradaktion „Solidarität für alle!“ am Ring; in Graz um 14 Uhr am Hauptplatz zu #SolidaritätStattNeuerNormalität; in Innsbruck um 11 Uhr am Landeshausplatz oder in Bregenz bei einer lifegestreamten Radioübertragung beim Milchpilz ab 16 Uhr. International gibt es ab 16 Uhr die Möglichkeit an der MAYDAY Radio Aktion von coview.info teilzunehmen.

    See you on the streets!

    1) Unsere aktuelle Kampagne gibt Einblicke in unsere Arbeistweisen, unser Konzept und unsere Zielvorstellungen: Gewerkschaft zum selber machen
    Außerdem möchten wir euch gerne zu einem online-Podium am 2. Mai um 19 Uhr einladen. Auf Youtube werden Genoss*innen aus verschiedenen Erdteilen über Kämpfe in Zeiten von Corona berichten: From Covid to Collective Action
    So wie unsere Klasse international ist, muss unsere Verständigung und Vernetzung transnational werden.[:]

  • [:de]Solid! 01/2020 erschienen![:]

    [:de]Die erste Ausgabe der SOLID! (Flugschrift der IWW) im Jahr 2020 ist erschienen.

    Zum Download der aktuellen und älteren Ausgaben geht es hier. 

    Aus dem Inhalt:

    • „Sei beständig wie ein Trommelschlag“: Tipps für erfolgreiches Organisieren
    • Berichte über Proteste gegen sexistische Gewalt in Mazedonien und Mexiko
    • Rückschau auf den revolutionären Liederabend mit Isabel Frey
    • „Pech für die Bosse“: über Sabotage und die berühmte Sabocat
    • Rezensionen: „Syndikalismus und neue Klassenpolitik“ (Streitschrift), Damnation (Netflix-Serie)

     [:]

  • [:de]Organisiere die Arbeiter*innenklasse, nicht die Linke[:]

    [:de]Organizing-Ratschläge, die ich meinem Ich vor zehn Jahren geben würde.

    Der Autor, der es vorzieht, anonym zu bleiben, arbeitete mehrere Jahre lang als Organizer für die größten Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes in den USA, bevor er Lehrer wurde. Heute organisiert er seine Kolleg*innen und Schüler*innen, zuletzt etwa bei Kämpfen um mehr Geld für Bildung oder für Führerscheine für undokumentierte Migrant*innen. Ein Text unserer Kolleg*innen von „Organizing Work“.

    Ich habe darüber nachgedacht, welchen Rat ich mir aus heutiger Sicht vor zehn Jahren geben würde, als ich mit dem Organizing begonnen habe. Ich habe seit damals viel gelernt und viele Fehler gemacht. Im Folgenden also das, was ich mir aufgrund diverser eigener Erfahrungen und Fehler mit auf den Weg geben würde. Auch einfach Sachen, die ich selber nicht vergessen will. Es ist ja nicht so, dass ich immer alles richtig mache.

     

    – Organisiere für klare, erreichbare Ziele, die Orientierungpunkte haben und deren Erreichen man messen kann. Aufklärung oder „Bewusstseinsbildung“ sind nämlich nicht zu messen. Organisiere für Dinge, die das Leben der Menschen besser machen.

    – Es geht nicht in erster Linie darum, sich an Protesten zu beteiligen. Das kann manchmal sinnvoll und nützlich sein, aber es gibt eine Tendenz, Proteste als „etwas tun“ zu betrachten und einfach von einer Demo zur nächsten zu springen.

    – Hör dir die Meinungen der Leute an. Zuhören steht an erster Stelle. Schau, wo die Leute stehen. Lausche den Problemen der Menschen. Mutmaße nicht, welche Meinungen oder Probleme Menschen haben könnten.

     

    – Arbeite nicht nur mit Personen aus solchen Subkulturen und Szenen und sozialen Gruppen zusammen, die du am besten kennst. Dies führt dazu, dass Menschen, die nicht Teil dieser Subkultur sind, sich nicht zugehörig fühlen.

     

    – Lass dich nicht in superideologische dogmatische Auseinandersetzungen hineinziehen. Die Leute interessieren keine Streitigkeiten über etwas, das 1936 geschah, oder für deine Zerwürfnisse mit wem auch immer. Theorie und Geschichte mögen als Hobby interessant sein, und auch zur Inspiration dienen, aber die Linke ist generell geradezu besessen von Ideologieinterpretation zur Identitätsfindung. Veranschauliche deine Methodik anhand deiner Art des Organizing.

     

    – Respektiere kollektive Prozesse. Arbeitet bei Meinungsverschiedenheiten gemeinsam an Lösungen. Plant die Dinge gemeinsam.

     

    – Klopfe an Türen, telefoniere, kontaktiere Leute. Verwende keine sozialen Medien zum Organisieren.

     

    – Sei beständig. Wie ein Trommelschlag. Sei pünktlich. Erledige, was du versprochen hast zu tun.

     

    – Schreibe Leute nicht ab, nur weil sie eine negative Haltung gegenüber einer Sache haben. Lass niemanden zurück und vergiss niemanden. Menschen sind kein Verschleißmaterial.

     

    – Wende dich an jene Person(en) in einem Raum, die nicht bereits Autoritätspositionen haben. Zu oft betreten Organizer einen Raum und sprechen mit der Person, die bereits die meisten Machtbefugnisse besitzt.

     

    – Die Macht ist unter den gewöhnlichen Arbeiter*innen an ihrem Arbeitsplatz zu finden, nicht in den Führungsetagen. Bau mit den Leuten an der Basis etwas auf.

     

    – Frag nicht um Erlaubnis.

     

    – Bleibe in engem Kontakt zu den Arbeiter*innen und ihrem Umfeld.

     

    – Arbeite an den Organizing-Fähigkeiten von Schüler*innen. Sprich mit den Schüler*innen, als wären sie Erwachsene oder sogar Gleichaltrige, auch wenn du der*die Lehrer*in bist. Es gilt, echte Bindung aufzubauen. Bring sie zum Lachen.

     

    – Hab keine Angst davor, anderer Meinung zu sein, aber sei nicht rechthaberisch.

     

    – Beziehe die Menschen mit ein und vermittle ein Gefühl des Willkommenseins, indem du dich mit ihnen unterhälst und dich z.B. nach ihren Kindern erkundigst, solche Dinge eben.

     

    – Beschäftige dich nicht zu sehr mit all dem Beiwerk der Organizingarbeit. Poster und Newsletter und Social Media sind toll, aber man bekommt keinen Nachtisch, wenn man vorher nicht sein Gemüse gegessen hat.

     

    – Organisiere die Arbeiter*innenklasse, nicht die Linke.

     

     [:]

  • Wieder mal umgefallen? – Selbstorganisation statt Interessenvertretung!

    Wieder mal umgefallen? – Selbstorganisation statt Interessenvertretung!

    Die Niederlage bei den SWÖ-Kollektivvertragsverhandlungen offenbart die Schwächen von Interessenvertretungen wie GPA/djp und vida. Die Selbstorganisation in basisdemokratischen Gewerkschaften bietet eine Alternative für all jene, die sich nicht mehr einreden (lassen) wollen, dass sie am kürzeren Ast säßen.

    Nach den Warnstreiks vom 16. und 17. Februar 2018 kam es in der diesen folgenden Verhandlungsrunde zum SWÖ-Kollektivvertrag zu einem Abschluss. Hätte es keinen Abschluss gegeben, wären diese Woche wieder Betriebe bestreikt worden. Viele Belegschaften waren bereit weiter für ihre Anliegen zu kämpfen. Vor allem die Forderung nach einer Verkürzung der Arbeitszeit auf 35 Stunden pro Woche konnte viele von uns mobilisieren – und wurde zugunsten des Abschlusses aufgegeben.

    Entsprechend ernüchtert bis wütend waren die Reaktionen auf die Versuche der Gewerkschaften GPA/djp und vida, das Verhandlungsergebnis als Erfolg darzustellen. Als Betroffene fühlen wir uns von den Verhandler*innen verraten.
    GPA/djp und vida tun, was sie nach jeder Niederlage machen: Sie beschwichtigen und erklären uns, dass ohne sie alles noch viel schlimmer wäre.
    Und viele Angestellte artikulieren ihren Zorn über die Weigerung der Verhandler*innen von GPA/djp und vida, ihren durch die zuletzt gut gelaufenen Mobilisierungen geschaffenen Spielraum auch auszunutzen.

    Es wirkt fast wie ein Ritual, das sich jedes Jahr wiederholt: Die Vertretenen klagen, dass ihre Interessen verraten wurden und die Vertreter*innen beklagen den mangelnden Rückhalt und die mangelnde Mobilisierung der Belegschaften. Diesmal ist die Situation jedoch anders, da die Mobilisierungen gut angelaufen waren, trotz angedrohter Repressalien durch manche Geschäftsführungen und kaum vorhandener Unterstützung seitens der Apparate von GPA/djp und vida. Schlüssig begründen können GPA/djp und vida ihre mangelnde Kampfbereitschaft somit nicht.

    Anstatt hier die einzelnen Versäumnisse polemisch breitzutreten, wollen wir nun aber zwei grundsätzlichere Fragen stellen: Ist die Ursache für dieses wiederkehrende Problem nicht vielleicht im Konzept Interessenvertretung selbst zu finden? Und welche Vorteile bringt die Selbstorganisation der Betroffenen?

    Das Konzept der Interessenvertretung sieht vor, dass Vertreter*innen sich um die Interessen von uns Arbeitenden kümmern. Sind wir unzufrieden könnten wir ja beim nächsten Mal jemand anders wählen. Dazu kommt jedoch, dass diese Vertretungsorganisationen oft Eigeninteressen verfolgen. Die Gründe dafür sind vielfältig: parteipolitische Interessenkonflikte, Abhängigkeitsverhältnisse, PR-Strategien, …
    Für viele Angestellte ist dieses Modell ebenso verlockend. Viele von uns haben nicht die notwendige Zeit, manche keine Lust, selbst was auf die Beine zu stellen. Hinzu kommt, dass es in Österreich eine lange Tradition der Unterwürfigkeit gibt und wenige erfolgreiche basisdemokratische Mobilisierungen gab, die uns zum Handeln ermutigen würden. So ist es verständlich, dass viele von uns in einer riskanten, unbekannten Konfliktsituation nach vermeintlichen Expert*innen rufen, die sagen können, wo es langgeht und uns am besten auch noch das Risiko abnehmen.
    Organisationen mit diesem Konzept nehmen diesen Ball dann gerne auf und leiten für sich gleich einen Führungsanspruch ab. So wollen sie nicht nur für uns verhandeln, sondern auch für uns entscheiden. Und das Verhalten der Belegschaften kontrollieren können – damit ihre Rolle als alleinige Interessenvertretung nicht in Gefahr gerät.

    Entsprechend informieren sie uns lediglich über die Verhandlungsergebnisse und lassen uns nicht darüber abstimmen, ob der verhandelte Kompromiss wirklich unserem Interesse entspricht. Auch das Abstimmungsverhalten der Verhandler*innen wird in der Regel nicht transparent gemacht, was uns die Kontrolle der Interessenvertreter*innen unmöglich macht.

    Somit kann es schnell passieren, dass die beste Mobilisierung wirkungslos bleibt. Denn die Arbeitgeber*innen haben es nur mit einem Team von Verhandler*innen zu tun und diese können – sofern sie Ergebnisse nicht von der Basis abstimmen lassen müssen – viel einfacher über den Tisch gezogen oder unter Druck gesetzt werden. Die Macht, die gut organisierte, solidarische Belegschaften in Arbeitskämpfen ausüben können, kommt nicht zur Geltung.

    Erfolgsversprechender könnte das basisdemokratische Modell der Selbstorganisation sein. Bei diesem finden wir uns in Betriebsgruppen in unseren Arbeitsstellen zusammen und entscheiden demokratisch, was wir tun und mit wem wir kooperieren wollen. Es gibt keine Vorsitzenden, die dann über unsere Köpfe hinweg entscheiden, sondern nur Delegierte, die den Standpunkt der Gruppe übermitteln.

    So entscheiden wir Betroffene selbst, ob wir für die Verbesserung unserer Arbeitsbedingungen oder Lohnerhöhungen streiken wollen und ob eine Lösung wirklich in unserem Interesse ist, oder nur ein fauler Kompromiss. Die Arbeitgeber*innen haben also ein viel mächtigeres Gegenüber und sitzen auf einem sehr viel kürzeren Ast.

    Wenn es zahlreiche Betriebsgruppen gibt, die sich gegenseitig solidarisch unterstützen, ist diese Organisationsform auch über Betriebs- und Branchengrenzen hinweg äußerst effektiv, ohne dass über die Köpfe der Betroffenen hinweg entschieden werden könnte.

    Dieses Modell ist nicht utopisch, sondern wurde und wird in vielen Arbeitskämpfen auf der ganzen Welt eingesetzt. Der Erfolg der Arbeitskämpfe hängt dabei vom Zusammenhalt und der Entschlossenheit der jeweiligen Beschäftigten ab.
    Diese haben eine große Palette an Handlungsmöglichkeiten. Dazu gehören Streiks, aber auch andere direkte Aktionen.
    Der Weg zum Gericht wird von uns nur im Ausnahmefall genommen, denn dort haben jene die besseren Karten, die mehr Geld haben und die Belegschaft kann den Ausgang eines Verfahrens kaum beeinflussen. Daher werden – im Unterschied zum Konzept der ÖGB-Gewerkschaften – Konflikte am Arbeitsplatz ausgetragen, also dort, wo die Belegschaft ihre volle Macht ausüben kann.

    Die IWW sind eine solche basisdemokratische Gewerkschaft. Wir bietet arbeitenden, aber auch z. B. arbeitslosen und pensionierten Menschen die Möglichkeit, in einer solidarischen Gemeinschaft gemeinsam für bessere Lebensbedingungen zu kämpfen. Die Erfahrungen, die diese Gewerkschaft seit ihrer Gründung im Jahr 1905 in Arbeitskämpfen in vielen Ländern gesammelt hat, sind die Grundlage für unsere Organisationsstruktur und unsere Strategie, Konflikte mit Arbeitgeber*innen, Behörden und anderen Gegner*innen auszutragen. Die Idee, sich selbst zusammenzuschließen und zusammenzuhalten ist ganz anders, als die Strategien von Interessenvertretungen und leicht zu erlernen.
    In Trainings lernen wir, wie wir beim Aufbau von solidarischen Betriebsgruppen an unseren Arbeitsstellen am besten vorgehen und in welche Fallen wir nicht tappen dürfen.
    Dazu gehört, dass wir uns überlegen, wie wir möglichen Diffamierungen und Repressalien der Geschäftsführungen entgegenwirken können – am besten schon im Voraus. Und wir erarbeiten und üben im Training, mit welchen Aktionen wir am besten Druck aufbauen können. Wir erarbeiten keine Lösungen für abstrakte Fallbeispiele, sondern für die konkreten Probleme, mit denen wir uns in unserem Arbeitsalltag herumschlagen müssen.
    Selbstorganisation ist für uns keine abgehobene Theorie, sondern ein alltagstaugliches Werkzeug zur solidarischen Selbstermächtigung.

    Du möchtest mehr über Selbstorganisation erfahren?

    Die möchtest gern mal IWWler*innen kennenlernen?

    Du hast ein Problem und brauchst Unterstützung?

    Melde dich bei uns oder triff uns bei unserem nächsten Wobblies in the Pub am Mo., 12.03.2018 um 19.00 Uhr im Schlupfwinkel (Wien 4, Kleine Neugasse 10).

  • Planen, Austauschen, Ideen sammeln

    Planen, Austauschen, Ideen sammeln

    Katzenkekse gibts nur für IWW-Mitglieder

    Gewerkschaftsarbeit bedeutet auch: nachdenken, Ideen entwickeln, planen. Mitte Jänner versammelten sich die Mitglieder der IWW Wien zum „Visioning“. Dabei handelt es sich um unser jährlich zu Jahresbeginn stattfindendes Planungstreffen, bei dem wir unsere Arbeit des vergangenen Jahres besprechen sowie Ideen fürs neue Jahr sammeln und deren Umsetzung planen.

    In den kommenden Monaten werden wir unsere Gewerkschaftsarbeit weiter intensivieren. Wir werden in den Betrieben, in denen unsere Mitglieder arbeiten, organisieren, uns am Widerstand gegen die Attacken der österreichischen Rechtsregierung beteiligen und viele weitere kleinere und größere Aktivitäten starten.

    Im vergangenen Jahr stießen einige neue Mitglieder zu unserer Gewerkschaft – und wir freuen uns auf viele weitere! Je mehr wir sind, desto effektiver können wir uns gemeinsam für unsere Interessen einsetzen!

  • Solidarisch organisieren!

    Solidarisch organisieren!

    Flyer der IWW Wien für die Demo gegen die ÖVP-FPÖ-Regierungspolitik am 13.1.2018