Autor: Redaktion

  • Die Kraft der kollektiven Hoffnung

    Die Kraft der kollektiven Hoffnung

    [:de]Gegen Verzweiflung angesichts der bestehenden Verhältnisse hilft praktische Solidarität

    Zu Beginn des 20. Jahrhunderts versammelten sich Arbeiter:innen in der US-Stadt Milwaukee in einem örtlichen Saloon, der heute als Cactus Club bekannt ist. Sie lasen radikale Literatur, sangen Lieder, spielten Instrumente, und gelegentlich empfingen sie als Mitglieder eines anarchistischen Buchclubs Gastredner:innen. Diese Arbeiter:innen gehörten derselben Gruppe an und wohnten im selben Viertel wie diejenigen, die 1886 für den Achtstundentag gekämpft hatten, wobei sieben Demonstrant:innen von der Staatsmiliz getötet wurden. Trotz zehnstündiger Arbeitstage an sechs Tagen in der Woche verbrachten diese Arbeiter:innen ihre Abende und ihren einzigen freien Tag gemeinsam in Freizeit und Solidarität. Wenn es Menschen gab, für die es gerechtfertigt gewesen wäre, solche Zusammenkünfte abzulehnen, um sich in ihrer knappen Freizeit zu Hause auszuruhen und zu entspannen, dann waren es diese. Stattdessen sahen sie ihre Zusammenkünfte als Oase der Erholung, in der sie eine Gemeinschaft aufbauten und sich organisierten.

    Komfortzone verlassen

    Betrachten wir nun die moderne Arbeiter:innenklasse. Unsere Arbeitstage sind in der Regel kürzer, unsere Arbeit ist körperlich weniger anstrengend und wir haben mehr Freizeit als unsere Kolleg:innen aus dem frühen 20. Jahrhundert. Und doch sieht unser Engagement für den Aufbau von Gemeinschaft und für die Organisation einer besseren Welt ganz anders aus als das unserer Kolleg:innen aus vergangenen Tagen. Wir müssen Serien schauen und sind ständig der Versuchung der sozialen Medien ausgesetzt. Wir haben rund um die Uhr Zugang zu E-Mails, die uns auch außerhalb der Arbeitszeit an die Arbeit binden. Darüber hinaus erinnert uns die Populärpsychologie stets daran, dass es „in Ordnung ist, Nein zu sagen“ zu sozialen Verpflichtungen und dass es das Wichtigste ist, sich um das eigene Wohlbefinden zu kümmern. Dies kann tatsächlich für diejenigen, die sich zu sehr unter Druck setzen, eine wichtige Erinnerung sein – aber es dient auch als Ausrede für diejenigen, die ihre Komfortzone nicht verlassen wollen. Schuldgefühle und Scham sind keine guten Motivatoren, um eine nachhaltige und lebendige Arbeiter:innenorganisation zu schaffen. Daher versuche ich nicht, an diese zu appellieren. Aber ich bin fasziniert und verwirrt von der Motivation unserer Kolleg:innen aus dem frühen 20. Jahrhundert, die, obwohl sie zweifellos müde und erschöpft waren, ihre Zusammenkünfte über fast alle anderen Aktivitäten stellten, die ihnen zur Verfügung standen – während wir uns heute zu müde und emotional ausgelaugt fühlen, um uns überhaupt zu versammeln. Damals gab es etwas, das uns heute fehlt. Können wir behaupten, dass es uns heute schlechter geht als ihnen damals? Oder vielleicht ging es ihnen so viel schlechter als uns, dass ihre völlige Verzweiflung der Funke war, der das Feuer der praktischen Solidarität entfachte. Werden wir aus unserer Komfortzone herausgerissen, wenn unsere Verzweiflung einmal das gleiche Ausmaß erreicht hat? Möglicherweise. Ich habe jedoch das Gefühl, dass Verzweiflung nicht viel wirksamer ist als Schuldgefühle und Scham.

    Hoffnung kann antreiben

    Vielleicht hatten diese Radikalen des frühen 20. Jahrhunderts eine überzeugende positive Vision davon, was möglich wäre, wenn sie sich organisieren. Oder vielleicht spürten sie in ihrer Organisation tatsächlich die Realität der neuen Welt, die sie schaffen wollten. Vielleicht machte der Mangel an Unterhaltungsmöglichkeiten gesellschaftliche Zusammenkünfte attraktiver und spannender. Ich habe keine Antworten auf diese Fragen, sondern stelle sie nur. Was war damals so anders? Was motivierte sie, sich mit solcher Energie und Leidenschaft zu organisieren? Ist es möglich, heute eine vergleichbare Motivation zu finden? Wenn ja, wie? Wenn wir uns versammeln, Lieder singen und uns gegenseitig Gedichte und radikale Literatur vorlesen würden, würden wir dann die Antworten finden? Erfolge von Gewerkschaften von Organisierungsbemühungen sind hoffnungsvolle Zeichen. Hoffnung kann uns zu konkreten Maßnahmen antreiben und uns bei der schwierigen Arbeit der Organisierung unterstützen, wie ein Funke, der ein Feuer entzündet, und wie Brennstoff, der es am Leben erhält. Es herrscht eine Epidemie der Hoffnungslosigkeit und ein tiefes Gefühl der Schwere des Spätkapitalismus, das die kollektiven Schultern der Arbeiter:innenklasse – insbesondere der jüngeren Generationen – bedrückt. Ich habe dies selbst schon oft gespürt und bin unter dieser Last zusammengebrochen. Hoffnung allein reicht also nicht aus, aber Handeln ohne Hoffnung und ohne das Feuer der Solidarität ist sinnlos und zum Scheitern verurteilt.

    Gelebte Solidarität

    Doch wo finden wir Hoffnung in einer kalten Welt voller Spaltung, Ausbeutung und Entfremdung? Wir finden sie nicht bei unseren Arbeitgeber:innen oder den großen politischen Parteien. Wir finden sie nicht in der Berichterstattung der Mainstream-Medien oder den herrschenden Narrativen der Mächtigen. Wir finden sie bei einander, wenn wir es wagen, uns zu öffnen und uns gegenseitig unsere Verletzlichkeit zu zeigen. Das erfordert Vertrauen. Das erfordert einen echten Glauben an Solidarität. Das bedeutet, Risiken einzugehen. Ja, wir müssen Grenzen setzen. Ja, wir sollten auf uns selbst achten. Aber wir müssen auch wieder in die Gewässer des kollektiven Zusammenkommens und der praktischen, gelebten Solidarität zurückkehren. Denn hier entdecken wir weit mehr als nur Bewältigungsstrategien. Wir entdecken die Motivation und die Werkzeuge, um uns für die kollektive Befreiung zu organisieren. Gemeinsam können wir den Weg in die Zukunft gestalten, indem wir voneinander lernen und uns aufeinander stützen. Das Feuer, das in den Kolleg:innen brannte, die sich im Cactus Club in Milwaukee versammelten, hat die Erde nicht verlassen. Du hast eine Flamme, und ich habe eine Flamme, und wenn wir uns versammeln, haben unsere vermischten Flammen das Potenzial, zu einem mächtigen Feuer zu werden, das die Fesseln der Entfremdung, der Ausbeutung, der Hierarchie und all der Missbräuche und Misserfolge des Kapitalismus verbrennt. Hoffnung ist nicht das Ende. Aber sie könnte der einzig geeignete Anfang sein.

    Andrew Wehrheim

    Übersetzt und gekürzt aus Industrial Worker[:]

  • Der Kampf geht weiter

    Der Kampf geht weiter

    In der Wiener Soziallandschaft kam es zuletzt zu vielfältigen Arbeitskämpfen. Diese machen Mut – trotz des KV-Verhandlungsergebnisses. Bericht eines Sozialarbeiters.

    Wie jedes Jahr begannen im vergangenen Herbst die Kollektivvertragsverhandlungen für die Sozialwirtschaft Österreich. Nach einem ernüchternden Start – gefordert wurden von der verhandelnden Gewerkschaft GPA lediglich 4% Gehaltserhöhung – wurde ich von den anschließenden Verhandlungsrunden bzw. deren Abbrüchen überrascht. Überraschend dabei war weniger das unverschämte Angebot der Arbeitgeber:innenseite von 1 % – das war zu erwarten gewesen. Vielmehr war es die Tatsache, dass sich die Verhandler:innen nicht, wie aus den Jahren zuvor gewohnt, von einem missmutigen Angebot abspeisen ließen. Am Ende war das Ergebnis zwar wieder ernüchternd: die Gehälter steigen um 2,6 % – und das erst ab April. Die Kämpfe, welche die Verhandlungen der vergangenen Monate begleiteten, machen dennoch Mut für künftige Auseinandersetzungen.

    Kampf- und streikbereit

    Als ausschlaggebendes Moment kann die Kampf- und Streikbereitschaft der Belegschaften aus diversen Einrichtungen angesehen werden, die sich bereits in den Wochen und Monaten vor Beginn der KV-Verhandlungen abzeichnete. Bereits zu Beginn des vergangenen Jahres schwirrte das Wort „Einsparungen“ durch Wiens Soziallandschaft wie ein Schreckgespenst und konnte dabei lange nicht benannt oder mit Zahlen versehen werden. Das Schreckgespenst wurde mit der Verkündung von extremen Kürzungen in der Suchthilfe, die von Stellenabbau über die Schließung ganzer Angebote reichten, schlagartig Realität. Dabei war es kein Zufall, dass bevorstehende Kürzungen lange Zeit so unkonkret blieben, sondern es lag am taktischen Vorgehen der Stadt Wien und des dazugehörigen Fördergebers, dem FSW. Dieses bestand aus Intransparenz und dem gezielten und sparsamen Streuen von Nachrichten hinsichtlich Kürzungen und Budgetentscheidungen, welche Mitarbeiter:innnen und Betroffene vor vollendete Tatsachen stellten. Zudem kam es auch zu irreführenden Falschinformationen, wenn z.B. vom zuständigen Stadtrat in Interviews verkündet wurde, die Wiener Wohnungslosenhilfe (WWH) sei von keinen Kürzungen betroffen und tags darauf von der Streichung der warmen Mahlzeiten in Notquartieren zu lesen war. Gleichzeitig berichteten auch Kolleg:innen aus der WWH, dass ihnen in Teambesprechungen ein Stellenabbau angekündigt wurde.

    AG SOS

    Nach und nach erreichten uns weitere Meldungen über Kürzungen, und es kam auch zu ersten Vernetzungen und Zusammenschlüssen. Als solches entstand auch die AG SOS, die mit dem Ziel, diese Flut an Informationen zu bündeln, von Betriebsrät:innen der WWH initiiert wurde. Daraus entwickelte sich eine Gruppe von Kolleg:innen und Aktivist:innen aus unterschiedlichen Bereichen, die beschloss, sich zu organisieren und gegen die geplanten Maßnahmen anzukämpfen. Dabei kamen von klassischen offenen Briefen, über die Organisation mehrerer Kundgebungen oder die Erstellung einer Online-Petition unterschiedliche Aktionsformen zum Einsatz. Eine tragende Rolle spielte dabei stets die Mobilisierung und Organisierung von Kolleg:innen im direkten Arbeitsumfeld, wie sie auch im IWW-Organizing-Training gelehrt wird. Besonders zu erwähnen ist im Rahmen dieser Organisierungen auch, dass es zu Vernetzungen und Zusammenschlüssen kam, die über Solidaritätsbekundungen hinausgingen und Kolleg:innen aus unterschiedlichen Bereichen der Wiener Soziallandschaft dazu veranlassten, ihre Wut gemeinsam auf die Straße zu tragen.

    Ellbogen im Sozialbereich

    Dieses Jahr war durch die Gleichzeitigkeit der Kämpfe für bessere Löhne und gegen die Kürzungen des Sozialbudgets eine weitere Eigenheit im Sozialbereich besonders merk-bar. Ist weniger Geld im Sozialtopf, fallen auch die Budgetverhandlungen des FSW mit den Trägerorganisationen, also den Lohn auszahlenden Stellen, bei denen ich und meine Kolleg:innen beschäftigt sind, schlecht aus. Das bedeutet wiederum, dass jeder Prozentpunkt, der im Zuge der Kollektivverhandlungen erkämpft wird und über dem jeweiligen Budgetabschluss liegt, von den Vereinen und Organisationen abgegolten werden muss. Dies ermöglicht es der Arbeitgeber:innenseite, mit Drohungen über Stellenabbau und Kürzungen Druck auf uns Arbeiter:innen und auf die Verhandlungen auszuüben. Damit entzieht sich der FSW, und somit auch die Stadt Wien, ihrer Verantwortung, was dazu führt, dass nun auch im Sozialbereich die Ellbogen ausgefahren werden und Träger:innen beginnen wie Kontrahent:innen am freien Markt miteinander in Konkurrenz zu treten und sich gegenseitig zu unterbieten.

    Bündnisse kämpfen weiter

    Der Beschluss des Sozialbudgets konnte zwar nicht verhindert werden, doch gegründete Bündnisse existieren nach wie vor und Kolleg:innen sind bereit weiterzukämpfen. Sei es für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen, den Erhalt von Stellen oder für ihre Klient:innen und Nutzer:innen, die das Vorgehen der Stadt Wien wohl am härtesten trifft. Anstatt dort zu sparen, wo es die Ärmsten trifft und es ohnehin an Mitteln und Ressourcen fehlt, und dies auch noch als alternativlos hinzustellen, sollte die Stadt Wien lieber über konkrete Umverteilungsmaßnahmen nachdenken, die in Hinblick auf den enormen Wohnungsleerstand, den Bau von nutzlosen Eventhallen und Autobahnen alles andere als utopisch sind.

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  • Neue SOLID! erschienen

    Neue SOLID! erschienen

    IWW-Mitglieder finden sie dieser Tage im Postkästchen – alle anderen können die erste diesjährige Ausgabe unserer Flugschrift SOLID! hier nachlesen: SOLID! 1/2026

    Wer eine oder mehrere Ausgaben zugeschickt bekommen will, muss uns nur ein kurzes Mail schreiben – wir freuen uns über Multiplikator:innen!

  • [:de]Zu klein für direkte Aktion?[:]

    [:de]Zu klein für direkte Aktion?[:]

    [:de]Arbeitsplätze bestehen aus vielen sozialen Gruppen, die Verbesserungen erkämpfen können

    Wann ist eine Gruppe zu klein für eine direkte Aktion am Arbeitsplatz? Welcher Zeitpunkt ist zu früh, um gegen den Boss zurückzuschlagen? An welchem Punkt erreicht man eine „kritische Masse“, die groß und stark genug ist, um echte Verbesserungen am Arbeitsplatz durchzusetzen? Die Antwort auf die Frage „Wann ist es zu früh, um gegen den Boss zurückzuschlagen?“ lautet: Niemals. Denn es gibt immer eine gewisse Art von Druck – so klein dieser auch sein mag – die wir auf unsere Arbeitgeber:innen aus-üben können. Einzelne Arbeiter:innen tun das ständig, unabhängig und unkoordiniert, oft ein-fach zur eigenen Erleichterung. Wie viele von uns sagen „Jawohl, Chef!“ und machen dann das Gegenteil, sobald der Vorgesetzte außer Sichtweite ist – weil wir wissen, dass unsere Art besser oder effizienter ist? Oft sagen Arbeiter:innen das eine und tun das andere, weil das Management den Bezug zur Arbeitsrealität verloren hat.

    Der Generalschlüssel

    Vor einiger Zeit kam eine Reinigungskraft mit einem Problem zu mir: Bis zu jenem Tag hatte ihr Vorgesetzter ihr einen Generalschlüssel anvertraut. Damit konnte sie das gesamte Gebäude betreten, um zu reinigen, Vorräte aufzufüllen oder Aufgaben wie das Wechseln von Glühbirnen zu erledigen. Als ein anderer Manager entdeckte, dass die Kollegin diesen Schlüssel besaß, machte er aus einer Mücke einen Elefanten. Anstatt zu sehen, dass diese Person einfach ihre tägliche Arbeit erledigte, wurde nun ein Problem daraus, dass sie überall Zugang hatte. Obwohl es keinen Hinweis auf Unehrlichkeit gab, wurde sie als Sicherheitsrisiko dargestellt. Der Generalschlüssel wurde ihr entzogen. Ihr direkter Vorgesetzter riet ihr, sich heimlich einen Ersatzschlüssel zu besorgen und nichts zu sagen, aber die Kollegin hatte Angst, dass sie erwischt würde und dann noch größeren Ärger bekäme. Was tun? Wir hätten nun den Weg einer klassischen Gewerkschaft gehen und Beschwerde einreichen können. Aber war es wirklich die beste Option, Papierkram zu erledigen, wochenlang ein Treffen zu planen und dann nochmal wochenlang auf eine Antwort zu warten (die vielleicht gar nicht die ist, die wir wollen)? Die Kollegin war wütend. Sie hatte ihre Arbeit gut gemacht und sich als vertrauenswürdig erwiesen. Ich sagte ihr: „Überleg dir mal, ob du nicht einfach jedes Mal, wenn du etwas tun sollst, wofür du den Generalschlüssel brauchst, ganz höflich deinen Manager dazuholst. Jedes Mal, wenn du einen Putzschrank öffnen, ein Büro betreten oder ein Regal auffüllen musst, bittest du deinen Vorgesetzten, mit seinem Generalschlüssel zu kommen. Du lächelst die anderen Manager:innen freundlich an und sagst: ‚Ich muss ihn dafür rufen.‘ Was, glaubst du, wird passieren?“ Die Idee gefiel ihr. Es dauerte nur ein paar Tage, bis das Management aufgab. Es war fast so, als gäbe es gar keine Reinigungskraft. Praktisch bei jeder Aufgabe, die zur normalen Arbeit gehörte, musste der Vorgesetzte den weiten Weg in ein anderes Stockwerk oder Gebäude machen, um eine Tür aufzuschließen. Es gab keine Eskalation, keine dramatische Konfrontation, keine Diskussion über die eigentliche Ursache. Innerhalb einer Woche hing der Generalschlüssel wieder am Schlüsselbund der Kollegin, und das Thema wurde nie wieder angesprochen.

    Kleine Siege

    Wenn eine einzelne Arbeitskraft Wege findet, sich zu wehren – dann können das auch zwei oder drei. Eine Handvoll Arbeiter:innen kann wahrscheinlich keine höhere Bezahlung, mehr Urlaub oder bessere Krankenstandsregelungen für alle durchsetzen. Aber ein paar Leute können viele kleine Erfolge erzielen – die sich, übereinandergestapelt, zu echten Veränderungen summieren. Ein paar Kolleg:innen können sich gegen einen tyrannischen Vorgesetzten wehren, andere zu neuen Arbeitsweisen inspirieren oder Präzedenzfälle schaffen, auf die sich andere später berufen können. Jeder Arbeitsplatz besteht aus vielen sozialen Gruppen und Arbeitsgruppen und somit automatisch aus vielen kleinen, informellen „Gewerkschaften“. Diese Gruppen setzen ständig konkrete Verbesserungen durch. Und oft – auch wenn es nicht beabsichtigt ist – profitieren auch andere davon.

    Kultur der Verbesserungen

    Wenn wir Arbeitsplätze auf der Grundlage von Solidarität organisieren, die in gemeinsamen Sorgen und Forderungen verwurzelt ist, verknüpfen wir die kleine Macht dieser Gruppen zu einer einheitlichen Front. Wir koordinieren sie – ersetzen sie aber nicht. Diese kleinen Zellen der Selbstverteidigung hören nie auf zu existieren. Und wenn wir klug sind, helfen wir ihnen ständig dabei, im richtigen Moment eigene Aktionen zu starten. Diese kleinen Aktionen bilden oft die Grundlage für größere. Sie sind auch schwerer zu unterdrücken – oder wirken auf den Boss zu unbedeutend, um dagegen vorzugehen. Kleine Siege schaffen Vertrauen, bauen Solidarität auf und zeigen, dass ein besserer Arbeitsplatz möglich ist. Wenn sich so eine Kultur einmal etabliert hat, ist sie für das Management nur schwer rückgängig zu machen. Diese Art des Organisierens ist ein langsamer, überlegter und methodischer Prozess – nicht etwas, das in wenigen Wochen oder Monaten aufkocht und endet. Aber dieser Ansatz ist in der Regel sicherer, stabiler und nachhaltiger. Die kleinen Siege verbinden sich allmählich zu einem Netz des Widerstands, das sich über den ganzen Betrieb ausbreiten kann. Und wenn wir so weitermachen, wird sich der Boss irgendwann in diesem Netz verfangen.

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    Übersetzt und gekürzt aus industrialworker.org[:]

  • [:de]Sommer-SOLID! erschienen[:]

    [:de]Sommer-SOLID! erschienen[:]

    [:de]Bei IWW-Mitgliedern sollte die neueste Ausgabe unserer Flugschrift SOLID! bereits im Postkästchen gelandet sein.

    Die digitale Version findest du hier: SOLID! Sommer 2025. Gedruckte Exemplare senden wir auf Anfrage gerne zu – schreib einfach ein Mail an office@iww.or.at

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  • [:de]1. Mai: Kämpfen, feiern, im Park sitzen[:]

    [:de]1. Mai: Kämpfen, feiern, im Park sitzen[:]

    [:de]Am internationalen Kampf- und Feiertag der Arbeiter:innenklasse sind auch wir auf den verschiedenen Demos und Festen unterwegs.

    In Wien sind wir außerdem an unserem Infostand beim 1.-Mai-Fest im Sigmund-Freud-Park zu finden.

    Schaut vorbei!

     

     

     

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  • [:de]Keine Ausreden mehr![:]

    [:de]Keine Ausreden mehr![:]

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    Dein Betrieb ist nicht organisierbar? Du bist nicht allein. Wir haben alle Ausreden selbst schon mal verwendet.

    Wer Betriebsarbeit macht, kennt die unzähligen Ausreden, weshalb es ausgerechnet im eigenen Betrieb unmöglich ist, sich mit den Kolleg:innen zusammenzutun. Solche Erklärungen hören wir oft von anderen. Aber zugegeben: Fast alle von uns haben solche Ausreden schon verwendet, um unsere Bequemlichkeit vor uns selbst oder vor anderen zu recht- fertigen. Denn klar ist: Organizing und Betriebsarbeit sind anstrengend und nicht ohne Risiko – aber sie sind auch alternativlos. Ein Best-of der Ausreden, weshalb es einfach nicht geht … und unsere Antworten.

    1. „Das ist nur ein Übergangsjob

    Jeder Job ist ein Übergangsjob. Sieh dir mal deinen Lebenslauf an, dann wirst du es schon merken. Abgesehen davon: Wenn du tatsächlich deinen Abgang bereits planst, dann hast du nichts zu verlieren und nichts zu befürchten. Du kann Dinge wagen, die du nicht machen kannst, wenn du auf deinen Job angewiesen bist. Aber bitte: Tu nichts, was deine Kolleg:innen gefährdet! Doch das sollte bei einer gut geplanten Organizing-Kampagne, in der du mit deinen Kolleg:innen alles gemeinsam planst, ja ohnehin nicht möglich sein.

    2. „Meine Kolleg:innen sind zu konservativ

    Ja und? Du sollst auch nicht die neue Avantgardepartei aufbauen, sondern mit deinen Kolleg:innen zusammen für Verbesserungen an eurem Arbeitsplatz kämpfen! Dafür ist es egal, ob der Typ aus der anderen Abteilung am Sonntag in die Kirche geht, während du deinen Rausch ausschläfst. Die Erfahrung vieler Organizer:innen zeigt sogar, dass mit vielen 100%-Linken, die dir die ganze Welt erklären können, im Betrieb nichts anzufangen ist. Weil ihre Minipartei oder Demogruppe ja nicht dazu aufgerufen hat, Betriebsarbeit zu machen und es ja eh dann nach der Revolution besser wird …

    3. „Meine Kolleg:innen mögen micht nicht

    Du musst keinen Beliebtheitswettbewerb gewinnen. Du musst nicht beste:r Freund:in deiner Kolleg:innen werden. Ja, du musst nicht mal in politischen Fragen überall mit ihnen übereinstimmen. In ein paar Punkten werdet ihr euch aber höchstwahrscheinlich sehr gut verstehen: Ihr wollt alle mehr Kohle, weniger arbeiten und im Betrieb mitreden.

    4. „Ich brauch den Job und muss aufpassen

    Wir alle brauchen den Job – sonst würden wir wohl ganz andere Dinge tun. Und weil du den Job brauchst, solltest du dafür sorgen, dass sich die Umstände im Betrieb für dich und deine Kolleg:innen zu euren Gunsten verändern. Das funktioniert nicht durch Bravsein und auch nicht durch Hoffen. Die einzige Chance, die du hast, ist es, dir zusammen mit deinen Kolleg:innen zu überlegen, was ihr wie ändern könnt, damit der Job, den ihr alle braucht, besser wird.

    5. „Es gibt zu viel Fluktuation in unserem Betrieb

    Viele von uns wechseln öfter den Job als es noch die vorangegangene Generation gemacht hat. Das ist für Betriebsarbeit tatsächlich ungünstig. Aber so ist es nun mal. Wir können uns die Voraussetzungen nicht aussuchen, aber wir können versuchen, das Beste draus zu machen. Und wenn deine Kollegin ohnehin schon in Richtung nächster Job schielt, dann kannst du sie eventuell leichter dazu motivieren, dich zuvor noch ein bisschen beim Organizen zu unterstützen.[:]

  • [:de]Neue SOLID! erschienen[:]

    [:de]Neue SOLID! erschienen[:]

    [:de]Bei IWW-Mitgliedern sollte sie bereits im Postkästchen sein – die neueste Ausgabe unserer Flugschrift SOLID!

    Die digitale Version findet ihr hier: SOLID! Winter 2024/25. Gedruckte Exemplare senden wir auf Anfrage gerne zu.[:]

  • [:de]Große und kleine Kämpfe[:]

    [:de]Große und kleine Kämpfe[:]

    [:de]

    Vor 15 Jahren wurde die IWW in Österreich gegründet. Was bisher geschah – und was weiterhin passieren wird.

    Im Mai 2009 wurde die IWW in Österreich ins Leben gerufen. Damals nannten wir uns noch „IWW Wien“ und dachten nicht im Traum daran, dass wir ein paar Jahre später Ortsgruppen in Wien, Salzburg, Innsbruck und Vorarlberg sowie Mitglieder überall in Österreich haben würden. Zunächst waren wir nämlich nur fünf Personen. Nach dem Beitritt des fünften Mitglieds bekam diese Handvoll österreichischer Wobblies ein Mail von der für den deutschsprachigen Raum zu- ständigen IWW-Ebene GLAMROC, in dem stand, dass wir allmählich beginnen könnten, eine eigene IWW-Struktur in Österreich aufzubauen. Voraussetzung dafür war natürlich, dass wir einander kennenlernten. Und so trafen sich an einem schönen Mai-Tag des Jahres 2009 diese fünf Leute in einem Wirtshaus im Schweizergarten. Weshalb wir genau dieses Lokal ausgewählt haben, weiß niemand mehr. Und auch damals wussten wir nicht so recht, was wir nun anfangen sollen. Die fünf waren entweder in anderen linken Organisationen aktiv oder gerade sehr frustriert von linken Organisationen. Was uns einte, war unsere Überzeugung, dass eine Organisation strömungsübergreifend sein muss und dass sich diese Organisation mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner befassen muss – dem Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit, der Ausbeutung, der Scheiß-Lohnarbeit …

    Scheiß-Lohnarbeit …

    Wir begannen uns regelmäßig zu treffen, planten kleine Kampagnen, hatten viele Ideen. Die meisten wurden nie umgesetzt. Nach etwa drei Jahren verlief sich die IWW Wien allmählich: Leute kamen nicht mehr, andere zogen weg. Kurzzeitig gab es noch Aktivitäten in Graz. Aber bald sah es so aus, als wäre das Projekt einer IWW in Österreich gescheitert.

    Der Initiative eines der Gründungsmitglieder und von ein paar neuen Wobblies ist es zu verdanken, dass dies nicht passierte. 2015 wurde der nächste Anlauf gestartet. Wieder trafen einander eine Handvoll Leute – doch diesmal gingen wir die Sache strukturierter an. Durch ein bisschen Öffentlichkeitsarbeit und ein paar kleine Arbeitskämpfe erhielten wir etwas Aufmerksamkeit. Wir verteilten die paar organisatorischen Aufgaben, die zu erledigen waren und widmeten uns der Kernaufgabe der IWW: dem Organizing. Alte und neue Mitglieder absolvierten die IWW-internen Organizing-Workshops und begannen in ihren Betrieben mit dem Aufbau von Betriebsgruppen.

    Dies zog wieder neue Leute an, die merkten, dass da etwas Aufregendes passierte. Und das unterschied sich von dem, was andere linke Gruppen so trieben und noch mehr von dem, was die großen sozialpartner- schaftlichen Gewerkschaften und ihre Fraktionen tun.

    IWW-Mitglieder sind oft mit der Frage konfrontiert, was wir eigentlich machen. Wir treten nicht mit Pomp und Getöse bei jeder Demo auf, wie das die meisten anderen Organisationen tun. Selbst jene, die in Betrieben aktiv sind, tragen nicht notwendigerweise jeden Tag ein IWW-Shirt oder versuchen ständig ihre Kolleg:innen zur Mitgliedschaft bei uns zu überreden. Denn die IWW ist ein Mittel zum Zweck. Wir brauchen und freuen uns über jedes neue Mitglied – wir wollen aber niemanden überreden.

    Druck aufbauen

    Wir unterstützen einander bei der Betriebsarbeit und in Arbeitskämpfen. In den Betrieben mischen sich Wobblies ein und versuchen, zusammen mit ihren Kolleg:innen die Arbeitsbedingungen zu verbessern und die Machtverhältnisse zumindest punktuell zugunsten der Belegschaft zu verschieben. Denn das ist genau das, was eine Gewerkschaft tun sollte.

    In den vergangenen 15 Jahren haben Wobblies in Österreich bereits Kündigungen verhindert, Betriebsgruppen aufgebaut und in Arbeitskämpfen dafür gesorgt, dass sozialpartnerschaftliche Betriebsrät:innen nicht den erstbesten Kompromiss abgeschlossen haben. Einige von uns haben auch das Experiment gewagt und ließen sich in Betriebsräte wählen; dabei machten sie eher durchwachsene Erfahrungen, konnten aber auch hier Druck aufbauen. Kurz: Wo immer österreichische Wobblies in den vergangenen 15 Jahren aktiv waren, haben sie Kolleg:innen konkret bei Problemen unterstützt und kleinere und größere Auseinandersetzungen gewonnen. Und all das werden wir auch während der nächsten 15 Jahre tun.

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  • [:de]Heraus zum 8. März![:]

    [:de]Heraus zum 8. März![:]

    [:de]

    [ENG below]
    Frauen, Lesben, Inter*-, NichtBinäre, Trans- und AgenderPersonen!
    (FLI*NTA‘s/ Frauen*)
    Wir, die FLI*NTA‘s der IWW Innsbruck, rufen auf den 8.März gemeinsam, kämpferisch und solidarisch zu begehen!
    Freitag 8.März 2024 in Innsbruck:
    Ab 12:00 Aktionstag bei der Annasäule
    Ab 17:00 Demonstration durch die Stadt
    → kommt in den Antifaschistischen und Antiimperalistischen Block beim gelben Hochtranspi! Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!
    Demoende bis 22:00 :
    Bestärkendes Zusammensein bei Live-Musik und Getränken am Ni Una Menos Platz (Platz vor dem Landestheater)
    Allein in Österreich sind im Jahr 2024 bereits 8 Frauen* und Mädchen* durch von Männern verübte Gewalttaten gestorben. Unzählige mehr sind es weltweit. Unzählige weitere sind es, die diese Gewalt überleben und mit den Folgen allein gelassen werden. Weil sie vor der von Männern geschaffenen und dominierten Struktur aus Politik, Justiz und Polizei gezwungen sind ihre Erfahrungen zu rechtfertigen. Weil sie keinen Zugang zu Sozialleistungen und dem Gesundheitssystem haben. Weil sie keinen Zugang zu Macht, Geld und Eigentum haben. Vor allem dann, wenn sie Schwarze-, Indigene- oder Frauen* of Colour sind.
    Deshalb:
    Lasst uns alle zusammen kommen! Lasst uns zeigen, dass wir nicht alleine sind! Lasst uns zeigen, dass wir viele sind! Lasst uns unsere Trauer und unsere Wut auf die Straße bringen!
    Streik dem Patriarchat! Alerta Queerfeminista!
    Ni Una Menos – Keine* einzige* weniger!
    Solidarity forever!
    Women, Lesbians, Inter*-, NonBinary, Trans- and AgenderPersons!
    (Women*/ Women and Genderqueer Persons)
    We, the Women and Genderqueer Persons of the IWW in Innsbruck, call you together on the 8th of March and to commit it militantly and in solidarity.
    Friday 8th of March 2024 in Innsbruck:
    From 12am action day at the Annasäule
    From 5pm Demonstration through the city
    → join the anti-fascist and anti-imperalist bloc at the yellow HighBanner(Hochtranspi)! Never again fascism! No more war!
    After the Demonstration until 22:00:
    Invigorating get-together with live music and drinks at Ni Una Menos Platz (square in front of the Landestheater)
    In Austria alone, 8 women* and girls* have died this year through male violence. There are countless more worldwide. Countless more have survived these acts of violence and are left alone with their consequences.
    Because they are forced to justify their experiences before the male-made and dominated structure of politics, justice and police.
    Because they do not have access to social services and the health care system. Because they don’t have access to power, money and property. Especially if they are Black, Indigenous or Women* of Colour.
    Therefore:
    Let’s all come together! Let us show that we are not alone! Let us show that we are many! Let’s take our grief and anger to the streets!
    Strike the Patriarchate!
    Alerta Queerfeminista!
    Ni Una Menos – Not one* less!
    Solidarity forever!

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