IWW Wien | die solidarische Gewerkschaft

Da kann mensch stricken was mensch will!

on 1. September 2016 Allgemein with 0 comments

Ende September präsentieren Teilgewerkschaften des Österreichischen Gewerkschaftsbundes den längsten Schal Österreichs. „Stricken gegen die soziale Kälte“ lautet das Motto, mit dem der ÖGB seine „Direkte Aktion“ schmückt. streikstricken

Zum Hintergrund: Einsparungen im Sozialbereich, wie sie in vielen Bundesländern üblich sind, haben neue Dimensionen angenommen. Sehr viel Aufmerksamkeit in den Medien erfährt dazu derzeit das Land Oberösterreich. Aber auch in anderen Gebieten wie zum Beispiel in Wien werden kleinere Projekte der Sozialen Arbeit eingespart oder gekürzt. In der Steiermark wurde rigoros um 25% gekürzt. Kurz: Sparen ist das neue Paradigma! Die Bundesregierung schaut vor allem im Bereich der offenen Jugendarbeit voller Begeisterung in Richtung Irland. Im Vergleich zur Sozialen Arbeit sowie der Gesundheitsvorsorge auf der grünen Insel gibt es in Österreich noch unheimlich viel Einsparpotential. Billig ist das System in Irland, aber auch eines der schlechtesten in der ganzen EU.

Und die größte Gewerkschaft Österreichs macht was? Jahrelang werden Einsparungen hingenommen, engagierte Betriebsrät*innen im Sozial Bereich in der Luft hängen gelassen, und alternative Gewerkschaften sofort niedergemacht, um die Position zu wahren. Kein Fünkchen Macht darf verloren gehen, wie geschehen bei Asklepios im KAV-Konflikt.

Der ÖGB nimmt nur sich selbst bzw. in ihm organisierte Gewerkschaften als Gewerkschaft wahr, da er Kollektivverträge scheinbar verhandelt. Die lächerlich geringen jährlichen Lohnerhöhungen, vertraglich festgelegten Ausnahmen, die Lohndrückerei gerade im Sozialbereich ohne weiteres erlauben, sind ja bekannt.

Und nun, nachdem die Konflikte ausgesessen wurden und zeitgleich scheinbar empörte Presseaussendungen getätigt wurden, wird gestrickt. Der längste Schal gegen soziale Kälte wird dann am Stephansplatz präsentiert.

Wir sagen: da kann mensch stricken was mensch will. Im Sozialbereich wird solange eingespart und zu Tode gekürzt, solange die Arbeiter*innen sich nicht organisieren und gemeinsam für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen und das ihrer Adressat*innen eintreten. Solange jede Einsparung kommentarlos hingenommen wird, wird sich in diesem Berufsfeld immer mehr das Paradigma der Normalisierungsarbeit entwickeln und im Endeffekt zu einer systemfunktionalistischen Elendsverwaltung verkommen.

Statt zu stricken, sollte einfach einmal gestreikt werden. Um zu zeigen, dass wir Arbeiter*innen im Sozialbereich nicht jede Ungerechtigkeit hinnehmen. Für uns gilt das Argument „Kein Geld ist da“ nicht, wenn gleichzeitig die Etats von Militär, Banken und der Polizei erhöht werden, damit sie, so die Argumentation der Politik, ihre Arbeit ordentlich machen können. Und der Sozialbereich soll weiterhin mittellos und lohngedumpt Wunder bewirken.

IWW-Wien – I.U. 610 (Gesundheit und Soziales)