Kategorie: Allgemein

  • Interview im Lower Class Magazin

    „Es kommt nicht immer auf die Größe an“

    Die bundesdeutsche Sektion der weltweiten Basisgewerkschaft Industrial Workers of the World (IWW) hat in den vergangenen Jahren bereits mit einigen erfolgreichen Aktionen von sich hören lassen. Aber auch in Österreich sind die „Wobblies“ aktiv. Wir haben uns mit „Fellow Worker“ Bo in Wien auf eine Melange getroffen und ein bisschen über die IWW geplaudert.

    LCM: Im deutschsprachigen Raum ist die IWW ja immer noch relativ unbekannt. Erzähl doch mal ein bisschen über die Geschichte der „Wobblies“.

    Bo: Die IWW ist die internationale basisdemokratische und radikale Gewerkschaft, sie ist weltweit tätig und wurde 1905 in Chicago gegründet. Sie war von Beginn an eine strömungsübergreifenden Organisation. AnarchistInnen, KommunistInnen, SozialistInnen und andere radikale GewerkschafterInnen versuchten gemeinsam, eine Gegenmacht gegen die American Federation of Labor aufzubauen. logo_kleinUnd von vornherein war auch der internationale Charakter dieser Gewerkschaft vorhanden. Es gab relativ bald eine größere Sektion in Kanada, aber auch in anderen Ländern waren „Wobblies“ aktiv. In Deutschland war der Internationale Seemansbund mit Tausenden Mitgliedern Teil der IWW. Diese deutsche Sektion hat allerdings den Faschismus nicht überlebt, die Organisation zerbrach vollständig. Eine der bekanntesten größeren Aktionen aus der Frühzeit der Wobblies war der „Bread and Roses“-Streik in den USA, der vorwiegend von Frauen, konkret von migrantischen Arbeiterinnen getragen wurde.

    LCM: Du sprichst ein wichtiges Prinzip der IWW an…

    Bo: Ja, die IWW war die erste Gewerkschaft, in der Frauen und Menschen mit nicht-weißer Hautfarbe Funktionen ausüben dürften – derartige Kategorien waren von Beginn an irrelevant. Das einzige Kriterium für eine IWW-Mitgliedschaft ist: bist du Mitglied der arbeitenden Klasse? Also: Musst du deine Arbeitskraft verkaufen? Hast du nicht die Macht, über die Produktionsmittel zu entscheiden? Dann bist du willkommen. Die IWW interessiert nicht, welchen Reisepass oder welche Nationalität du hast. Es gab immer wieder Gerichtsverhandlungen gegen Wobblies, bei denen diese auf die Frage, welcher Nationalität sie angehören geantwortet haben: keiner. Dieser Grundgedanke drückt sich auch in unserem Gewerkschaftsverständnis aus. Eine Gewerkschaft sind KollegInnen dann, wenn sich zwei oder mehr zusammenschließen, um das Machtverhältnis am Arbeitsplatz zu verändern. Die Basis dafür ist Solidarität und das Mittel häufig direkte Aktionen, weil wir es für wirkungsvoller halten, wenn sich ArbeiterInnen auf ihre eigene Macht verlassen, anstatt vor Gericht zu ziehen oder Gewerkschaftssekretäre anzurufen. Dazu organisieren wir uns branchenübergreifend, so dass die Spaltung in verschiedene Berufsgruppen, wie es in vielen Bereichen der Fall ist, aufgehoben wird. Wenn das erfolgreich sein sollte, sind wir unserem Ziel – die Abschaffung des Lohnsystems und eine gesellschaftliche Produktion nach den Bedürfnissen von uns Menschen – einen bedeutenden Schritt näher.

    LCM: Wann kam das Ende der ersten erfolgreichen Phase der Wobblies?

    Bo: In Europa zerbrach die Organisation während des Faschismus, aber auch in den USA war nach dem Zweiten Weltkrieg ein Tiefpunkt erreicht. Es gab dort von Beginn an starke Repression gegen die IWW. Aber obwohl die Gewerkschaft über längere Phasen sehr klein war, war sie doch durchgehend existent, und die Mitglieder waren in Betrieben aktiv. In Großbritannien etwa gab es in den 1950er/60er Jahren einzelne kleine Ortsgruppen, die die IWW am Leben hielten, in den USA war es ähnlich. Ab den 70er Jahren begann sich das dann langsam wieder zu ändern, und ab etwa 2005 hat die IWW dann wieder einen großen Aufschwung erreicht. Dies stand vor allem in Zusammenhang mit der Starbucks-Kampagne in den USA, die auch große mediales Echo erfahren hat.

    LCM: Was ist da genau passiert?

    Bo: Das ging in New York los, wo Starbucks-Angestellte Überstunden nicht bezahlt bekamen oder vereinbarte Stunden nicht arbeiten durften. Daraufhin begannen sich viele in der IWW zu organisieren, es gab direkte Aktionen und öffentlichkeitswirksame Kampagne. Nach zwei, drei Jahren Kampf konnten massive Verbesserungen durchgesetzt werden: höhere Abfertigungen nach getgoodsEntlassungen und bis zu 30prozentige Lohnerhöhungen. Das war natürlich für eine in New York City sitzende kleine Gewerkschaft ein großer Erfolg. Gleichzeitig war sie aber nicht nur auf NYC beschränkt, auch Ortsgruppen in anderen Städten der USA und Kanada fingen an bei Starbucks zu organisieren. Wenn man das mit den bescheidenen Erfolgen europäischer Gewerkschaftsverbände vergleicht, dann muss man sagen: es kommt nicht immer auf die Größe an!

    LCM: Und für die IWW war dies auch der Neubeginn der internationalen Aktivitäten?

    Bo: Genau. Kurze Zeit später wurde das „Biroc“, das Organisationskomitee für die Britischen Inseln gegründet. In London gab es bald erste Erfolge bei der Organisierung von Reinigungspersonal oder im Gesundheits- und Sozialbereich, die zu einem schnellen Anwachsen der IWW in Großbritannien von anfangs zweihundert Mitgliedern zu mehr als 2.000 heute führten. Etwa gleichzeitig passierte auch in Kanada sehr viel, wo IWW-Mitglieder vor allem in der sozialen Arbeit sehr präsent sind und auch immer wieder Kürzungen in diesem Bereich verhinderten. 2006 hat sich schließlich die IWW im deutschsprachigen Raum gegründet und mit Aktionen bei der Cateringfirma Eurest ebenfalls erste Erfolge feiern können.

    LCM: Jetzt aber endlich zu euch hier in Österreich. Wann ging es da los?

    Bo: 2009 hat sich erstmals eine Regionalgruppe in Wien gegründet. Kurz darauf entstand auch eine Gruppe in Graz. Es gab damals einige kleinere Aktivitäten wie Flugblattaktionen oder Anzeigen beim Arbeitsinspektorat. Auch in einem Mobbingfall in einem Sozialbetrieb wurden wir aktiv und unterstützten eine Betroffene. Dabei gab es auch einen ersten kleinen Konflikt mit dem Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB), an den sich die Betroffene wegen juristischer Unterstützung gewandt hatte. Und die haben unsere Vorschläge zu direkten Aktionen wie Bummelstreiks gar nicht gern gesehen. Leider sind die Aktivitäten in Österreich dann etwas eingeschlafen. Die IWW-Leute in Graz sind aus der Stadt weggezogen, und auch in Wien passierte nichts mehr.

    LCM: Wie ging es dann weiter?

    Bo: Es gab in den vergangenen Jahren in Wien einige Mitglieder, die allerdings nur wenig machten. Los gings dann wieder, als in einem Betrieb, in dem ein Wobbly arbeitet, ein Kollege wegen Kritik an der Geschäftsführung entlassen werden sollte. Da gab es dann Solidaritätsbekundungen von der KollegInnenschaft und die Entlassung konnte verhindert werden. Danach hat sich im Jänner 2015 die IWW in Wien wieder neu konstituiert. Derzeit haben wir Mitglieder mit sehr unterschiedlichem Hintergrund, auch einige von den britischen Inseln, aus Italien und Kanada.

    LCM: Mit welchen Problemen ist man konfrontiert, wenn man versucht, neben dem allmächtigen ÖGB eine kämpferische Gewerkschaft aufzubauen?

    Bo: Das Problem in Österreich ist das allgemeine Bewusstsein, dass Gewerkschaft nur ein Instrument der Rechtsvertretung ist. Das ist insofern bemerkenswert, als es ja hier auch die Arbeiterkammer gibt, bei der jedeR Lohnabhängige automatisch Mitglied ist, und die unter anderem Rechtsvertretung macht. Und dann wird einem erklärt, man solle sich zusätzlich dem ÖGB anschließen, der aber im Grunde auch nur Rechtsvertretung betreibt und faktisch seit 40 Jahren keine Arbeitskämpfe mehr durchführt. In den Köpfen der Menschen ist sehr fest verankert, dass man um Erlaubnis fragen muss, bevor man einen Arbeitskampf beginnt. Da muss man darum bitten und dann durch unzählige Instanzen und einen bürokratischen Apparat gehen. Dass man das einfach selbst in die Hand nimmt und selbst organisiert – und dass das im Endeffekt auch viel effizienter ist – das ist bei vielen einfach noch nicht angekommen. Wir bekommen oft eine positive Reaktion, aber gleichzeitig auch Skepsis, wenn wir Leuten unseren Ansatz erklären, also etwa: „Wow, supercool! Aber nein…“ Da gibt es dann letztlich doch eine große Hemmschwelle, die ich auch oft gar nicht nachvollziehen kann.

    LCM: Wie ist das Verhältnis zu linken GewerkschafterInnen im ÖGB?

    Bo: Offiziell gibt es keine Kontakte, aber natürlich gibt es persönliche Bekanntschaften. Da ist immer wieder interessant zu beobachten, wenn linke ÖGB-AktivistInnen von Basisdemokratie und radikalen Gewerkschaften reden. Sobald man dann allerdings entsprechende Aktionsformen wie direkte Aktion ins Spiel bringt, fangen diese sofort an den ÖGB und dessen herkömmliche Methoden zu verteidigen. Es existiert da schon eine ziemliche „Parteidisziplin“ auch bei linken ÖGB-Mitgliedern – sowohl ihren jointheonebigunionFraktionen, als auch dem ÖGB insgesamt gegenüber. Die Linken sagen dann halt, dass der ÖGB reformiert werden muss und so weiter, aber grundsätzlich ist er weiterhin die Gewerkschaft der Wahl. Naja, dabei darf man auch nicht übersehen, dass der ÖGB für viele Linke in Österreich ein geschätzter Arbeitgeber ist. Prinzipiell aber unterscheiden sich derzeit auch die Zielgruppen ein bisschen. Wir organisieren zum Beispiel Leute, die prekär beschäftigt sind oder sind in anderen Bereichen aktiv, die von den großen Gewerkschaftsverbänden vernachlässigt werden. Wir organisieren Refugees, ohne vorher sechs Monate darüber diskutieren zu müssen.

    LCM: Wie ist das Verhältnis zu anderen politischen Gruppen? Gerade in der kleinen Wiener Linken kennt ja jeder jeden…

    Bo: Interessanterweise ist das für uns auch nicht ganz der Fall, weil die meisten Leute, die die IWW in Wien jetzt neu aufbauen, nicht von hier sind oder erst seit einigen Jahren hier wohnen. Aber prinzipiell ist es natürlich für uns ok, wenn Mitglieder auch in anderen Organisationen aktiv sind. Auch bei uns gibt es Mitglieder mit unterschiedlichem politischen Hintergrund oder solche, die sich keiner Strömung der Linken zuordnen. Klar: wenn du ein Rechter bist, schmeißen wir dich raus. Aber sonst spielt die politische Herkunft kaum eine Rolle.

    LCM: Zurück zu eurer Arbeit: welche Aktivitäten gab es seit eurer Neukonstituierung in Wien?

    Bo: Letztes Jahr haben wir sehr stark mit Leuten aus dem englischsprachigen Raum zusammengearbeitet, die in Sprachinstituten in Wien arbeiten. Die hatten keine garantierten Stunden, die Bezahlung schwankte, sie wurden wie „freie Dienstnehmer“ behandelt, obwohl sie als Angestellte angemeldet waren. Mit denen zusammen konnten wir erreichen, dass Leute, die für 30 Stunden angestellt sind, auch tatsächlich 30 Stunden bezahlt bekommen – was zuvor nicht immer der Fall war. Das ging alles erstaunlich einfach.

    LCM: Sind kleine Aktionen auch deshalb oft erfolgreich, weil die Unternehmen heutzutage gar nicht mit Widerstand rechnen?

    Bo: Ja, auf alle Fälle. In Österreich gibt es ohnehin keine Kampftradition. Sobald also irgendwer zu kämpfen anfängt, oder auch wenn du nur andeutest, dass du um deine Rechte kämpfst, kriegen die Bosse sofort Panik. Das macht es für uns in vielerlei Hinsicht sehr einfach.

    LCM: Was passiert sonst noch bei euch?

    Bo: Wir haben ein paar KollegInnen unterstützt, die eine Zeit lang in Wien auf Werkvertrag gearbeitet haben, jetzt woanders leben und ihr Geld nie bekommen haben. Da haben die Unternehmen einfach nicht damit gerechnet, dass die jemanden vor Ort haben, der sich darum kümmert. Ansonsten machen wir auch Rechtsberatung, also: wie kommst du zu deiner Mindestsicherung, wie macht man einen Lohnsteuerausgleich und solche Dinge. Betrieblich arbeiten wir momentan schwerpunktmäßig im Sozialbereich und in der Autoindustrie. Aber vor allem geht es jetzt darum, in Wien weitere Strukturen aufzubauen. Da gibt es natürlich auch viel interne Schulungsarbeit zu Organizing und Betriebsarbeit. Und schließlich sind wir natürlich zusammen mit unseren KollegInnen in den anderen Ländern international aktiv, und auch die IWW als internationale Organisation debattiert derzeit intensiv über ihre Strukturen und Aktionsformen. Vor allem im deutschsprachigen Raum gab es da in den letzten zehn Jahren eine starke Professionalisierung und eine starke Verankerung in einigen Betrieben.

    LCM: Zu den internationalen Strukturen der IWW wollte ich ohnehin noch nachfragen. Auf den ersten Blick ist eine Basisgewerkschaft mit internationalen Strukturen ja ein Widerspruch.

    Bo: Ja, möglicherweise. Aber es gibt ja nicht nur die internationalen Strukturen, sondern eben auch die regionalen Räume, wie eben das Organisationskomitee für den deutschsprachigen Raum. Im Endeffekt ist es in einer nationalen Organisation nicht sehr viel anders, da kennst du dann ja auch nicht alle Leute persönlich. Vor allem aber sind die internationalen Strukturen der IWW dont_trust_luckVerwaltungsstrukturen. Da werden keine zentralen Entscheidungen getroffen, sondern die zuständigen Leute haben klar definierte Aufgaben, um eine internationale Organisation am Laufen zu halten. Wichtig ist uns die Autonomie der Ortsgruppen. Sie entscheiden, wie Betriebsarbeit und Aktionen vor Ort zu laufen haben. Auf internationaler Ebene tauschen wir uns über Erfahrungen aus und lernen so voneinander.

    LCM: Haben diese internationalen Strukturen für die konkrete Arbeit vor Ort auch tatsächlich Vorteile? Oder geht es dabei nur um die schöne Vorstellung, Teil einer weltweiten Organisation zu sein?

    Bo: Ja sicher hat das Vorteile! Welcher Betrieb ist im Jahr 2016 nicht international vernetzt? Wie soll man Kapitalismus überwinden, wenn nicht weltweit? Das Ziel der IWW ist ja durchaus, ganze Produktionsketten zu organisieren – also beispielsweise die Dame, die bei H&M Kleider schlichtet bis zur Näherin in Bangladesh bis zu LKW-FahrerInnen, die das Zeug um die ganze Welt fahren. Die zu organisieren ist das Ziel. Und gleichzeitig organisieren wir ganz kleinräumig und lokal. Es nervt ein Unternehmen nichts mehr, als wenn beispielsweise in Wien ein Konflikt entsteht und gleichzeitig auch an anderen Standorten. Das ärgert die Bosse, die wollen keine globale schlechte Publicity. Und dann kommt noch ein weiterer Vorteil der internationalen Organisation hinzu: viele Leute sind auch beruflich in mehreren Ländern unterwegs, und die haben natürlich immer eine Ansprechperson vor Ort, sind gleichwertige Mitglieder und haben volle Unterstützung. Naja, und es ist auch ein Art Reiseversicherung. Wenn man irgendwo unterwegs ist und strandet, findet man mit seiner „Red Card“ immer ein warmes Bett und etwas zu essen.

    Das Gespräch führte Karl Schmal

  • Stehcafe-Schwitzbude

    swu_ueberGeschichten über alltägliche Widerständigkeit am Arbeitsplatz haben es oft schwer: Entweder werden sie nicht genug geschätzt und verschwinden, oder sie kursieren als HeldInnengeschichten im kleinen Kreis, am Kneipentisch, beim Bierchen – oder auch im Stehcafé. Dass solche ›Kämpfchen‹ Potential haben und es wert sind, der bloß kolportierten Überlieferung entrissen zu werden, zeigt die folgende Geschichte über die Anfänge der Starbucks-Organisierung in den USA von Erik Forman. Sie ist unter dem Titel »Ok, which exit is it?« bereits 2013 in dem Sammelband von Scott Nappalos: »Lines of Work: Stories of Jobs and Resistance« (Black Cat Press) erschienen, wurde von der Frankfurter Gruppe der IWW frisch übersetzt und für den express leicht überarbeitet und gekürzt. Eine Anregung für die Produktion künftiger Geschichten über HeldInnen des alltäglichen Arbeitskampfs – und für FreundInnen des schnellen Kaffees im Gehen…

    »Ok, welche Ausfahrt ist es?«
    »494, richtig?«
    »Scheiße, Mann. Ich weiß es nicht! Normalerweise nehme ich die U-Bahn zur Arbeit.«
    »Verdammt noch mal. Wie spät ist es? 12:30 Uhr. Mist. Wir haben gesagt, dass wir um 12:30 Uhr da sein werden.«
    »Um Himmels willen! Weißt Du, ob Rachel und Christina schon da sind?«
    »Keine Ahnung. Schau mal auf mein Handy. Haben sie mir geschrieben?«
    Ich fischte mein Handy aus der Tasche, das Lenkrad umklammernd, als der Dodge Karavan der Tante meines Kollegen den Highway entlang donnerte. Wir hatten keine Ahnung, wo wir lang fuhren, und nur den leisesten Hauch einer Ahnung, was wir machen würden, wenn wir ankommen.
    »Bleibt ruhig, Leute« sagte Jake vom Rücksitz aus. »Ich habe Rachel gerade geschrieben, sie verspäten sich auch. Wir können uns um 12:45 Uhr treffen. Falls wir bis dahin die Mall of America finden.«

    Ich arbeitete seit ungefähr sechs Monaten bei Starbucks in der Mall of America. Die Arbeitsbedingungen waren so schlecht, wie man sie erwarten würde bei acht Stunden Nonstop-Getränkeproduktion und Kundenkontakt, mit Schlangen, die bis vor die Tür reichen. Zehn-Minuten-Pausen, die aufgrund des Personalmangels immer Stunden zu spät zu kommen schienen. Das einzig Gute an der Arbeit in diesem Frappuccino-Sweatshop war die Kollegialität, die sich unter uns LohnsklavInnen im Alter um die zwanzig entwickelt hatte. Die letzten Monate über hatten wir uns außerhalb der Arbeit getroffen, oftmals um nur ein paar Bierchen zu trinken, aber auch, um mit wachsender Ernsthaftigkeit Kampagnen zur Durchsetzung unserer Forderungen zu planen. Wir waren Teil der IWW-Starbucks Workers Union1 und wir hofften ein wenig darauf, unsere kleine Kaffeefabrik zu einem Standbein der ArbeiterInnenmacht in der Mall of America machen zu können.

  • Strategiepapier für erfolgreiche Basisgewerkschaften

    DU Cover klein 2„Eine Empfehlung für alle aktiven Kolleginnen und Kollegen unter uns, die im Praxisdschungel nicht die Orientierung verlieren wollen.“ Frieda Heumann, Bildungsarbeiterin und Organizerin der IWW, Berlin

    Unter dem Titel: „Direct Unionism« – Strategie für erfolgreiche Basisgewerkschaften auf der Höhe der Zeit“ hat die Ortsgruppe Frankfurt am Main, der weltweiten Basisgewerkschaft Industrial Workers of the World, ein Diskussionspapier über die erfolgreiche Zukunft von Basisgewerkschaften im deutschsprachigen Raum herausgegeben.

    Dieses Diskussionspapier entwirft eine Vision davon, wie ArbeiterInnen zurückschlagen können. Eine Vision von der wir hoffen, dass sie eine breitere Diskussion entfachen wird. »Direct Unionism« beschreibt deutlich und offensiv was es heißt Macht am Arbeitsplatz auf der Basis kollektiver direkter Aktionen aufzubauen, mehr noch als Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen abzuschließen.

    Wir denken, dass ArbeiterInnen ihre Kämpfe am Arbeitsplatz durch ihre Fähigkeit den Betriebsablauf zu stören, gewinnen, und nicht dadurch, dass sie die offizielle Anerkennung durch ihre ChefInnen erlangen. Mit diesen Gedanken haben wir ein paar spezifische Szenarien zusammen getragen, die uns beim Organizing und den alltäglichen Auseinandersetzungen helfen. Es sind die Modelle und Pläne, von denen wir denken, dass ArbeiterInnen sie überall einsetzen können.

    Dieser Text ist der Beginn einer Diskussion – vielmehr noch als das letzte Wort. Aber wir denken es ist ein wichtiger Anfang. Er ist die deutsche Übersetzung eines Textes vom AutorInnenkollektiv „Recomposition – Notes for a new workerism“ der IWW aus Edmonton/Kanada.

    Weitere Stimmen: „Lesen und umsetzen! Dann stehen wir ArbeiterInnen endlich im Mittelpunkt, nicht mehr die ChefInnen.“ Erik Forman, Organizer der IWW, u.a. bei Starbucks und Jimmy John’s in Hong Kong & New York City

    „Ich halte Basisgewerkschaften für unverzichtbar um die Verbindung zwischen den weltweiten Migrationsbewegungen und den örtlichen Kämpfen herzustellen. Diese Broschüre hilft, sie aufzubauen.“ Felix Syringus, ehemaliges Mitglied des Antirassismus Büro Bremen

    Der komplette Text kann online gelesen und heruntergeladen werden.

    Außerdem sind gedruckte Ausgaben gegen eine kleine Spende, beim Literaturversand der IWW im deutschsprachigen Raum erhältlich: versand@wobblies.de

    Wir erwarten mit Vorfreude eure Weiterverbreitung, Feedback, Kritik, Rezensionen und/oder Veranstaltungen zu der Broschüre.

  • „Hausmeister, Callcenter Beschäftigte und KabelverlegerInnen in einer Gewerkschaft“

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    Als weltweite Basisgewerkschaft versucht die IWW Kampferfahrungen und Widerstand weltweit zu organisieren und zu vernetzen. Inwiefern das in der Praxis gelingt und erfolgreiche Gewerkschaftsarbeit im deutschsprachigen Raum möglich macht, darüber berichtet ein Kollege der IWW Frankfurt am Main.
    Radiointerview zum Nachhören, via Radio Dreyeckland:
    https://rdl.de/beitrag/hausmeister-callcenter-besch-ftigte-und-kabelverlgerinnenn-einer-gewerkschaft-die-industrial

    Hinweis:

    Die Meinung des Autoren entspricht nicht notwendigerweise der Meinung aller IWW Mitglieder.
  • Neue Website und neue Kontaktdaten

    Liebe Interessierte,

    ihr erreicht die IWW in Österreich unter der Url:

    staging.iww.or.at/

     

  • Unabhängige Gewerkschaften – Wegbereiter der Erhebung gegen das Mubarak-Regime in Ägypten

    In den letzten Jahren gab es in Ägypten tausende von Arbeitskämpfen, die die ArbeiterInnen trotz starker Repression und in Konfrontation mit dem staatlichen “Gewerkschaftsbund” (ETUF) führten. Unabhängige Gewerkschaften entstanden und das Center for Trade Union and Workers Services (CTUWS).
    Am 30. Januar erklärten sie jetzt das baldige Ende der Staatsgewerkschaft und die Vorbereitung der Gründung einer neuen gewerkschaftlichen Dachorganisation mit dem Ziel: Eine Demokratische Gewerkschaft in einer demokratischen Gesellschaft. (mehr …)

  • Mr. Block, als Holzkopf auch hierzulande bekannt…

    “Mr. Block ist legendär, er ist repräsentativ für die Art von Sklaven, die in den selben Bahnen denken wie ihre Herren. Mr. Block besitzt nichts, aber er spricht mit dem Standpunkt eines Millionärs; er ist patriotisch ohne väterliches Erbe; er ist ein gesetzestreuer Ausgestoßener der die Hand leckt, die ihn ohrfeigt und den Stiefel küsst, der ihn tritt … die Personifizierung von allem, was ein Arbeiter nicht sein sollte.” (mehr …)

  • Baristas der größten Starbucks-Filiale in New York ehren den Martin Luther King Day durch Eintritt in die IWW Starbucks Union

    Am 25. Martin Luther King Day, erklärten Baristas des Astor Place Starbucks in Manhattan ihre Mitgliedschaft in der 105 Jahre alten Gewerkschaft “Industrial Workers of the World” (IWW).

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  • I.U. 620: IWW Education Workers gegen Einsparungen und Gebühren im Bildungsbereich

    Als Wobblies organisieren wir uns international und in unseren Branchen, darunter gerade auch stark im Bildungsbereich (vom Verwaltungsmitarbeiter bis zum Dozenten, und Studenten). Mehr Informationen zu den Education Workers im Vereinigten Königreich in englischer Sprache: http://educationworkers.wordpress.com; in Nordamerika, hier: http://naewiu.wordpress.com/.

    Stellungnahme der IWW Education Workers zu der Bewegung gegen Einsparungen und Gebühren im Bildungsbereich

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  • Schweden: Solidaritätsaufruf der Reinigungskräfte an der Uniklinik Lund

    Folgende Übersetzungen wurde von der Website der Libertären Intitaiven Sozial Arbeitender (L.I.S.A/FAS) übernommen.

    Wir bitten euch um eure Solidarität mit den ArbeiterInnen der Sektion USIL der Sveriges Arbetares Centralorganisation (SAC), die als Reinigungskräfte in der angesehenen Universitätsklinik in Lund beschäftigt sind. Seit fünf Jahren beklagen sie sich bei dem internationalen Unternehmen „International Service System“ (ISS) über die unzumutbare Menge an Arbeit, die ihnen zugewiesen wird. Die ArbeiterInnen haben z.B. genau 36 Sekunden Zeit um eine Toilette zu säubern. Dadurch wird die eigene Gesundheit und die der PatientInnen des Krankenhauses gefährdet. (mehr …)