IWW Wien | die solidarische Gewerkschaft

F.A.Q. IWW in Österreich

#1 Ist die IWW überhaupt eine “richtige” Gewerkschaft?

Die IWW als globale Gewerkschaft, wie auch die IWW in Wien ist eine “richtige” Gewerkschaft. Dies nicht nur durch den Selbstanspruch, sondern durch die Organisierung von Betrieben, der gegenseitigen Hilfe und erfolgreichen Arbeitskämpfe, sondern auch im rechtlichen Sinn, durch ILO-Konventionen und auch als juristische Person in Österreich.

 

#2 Wie steht die IWW zu Betriebsräten?

Unser primäres Ziel ist es nicht, überall Betriebsräte zu installieren. Wir setzen auf die Selbstorganisation und Solidarität der Arbeiter*innen in den Betrieben. Jedoch kann es gerade in Österreich durchaus Sinn machen, als Betriebsrätin/Betriebsrat zu kandidieren bzw. einen zu etablieren. Wie bei allen Belangen, treffen jene Mitglieder die Entscheidung vor Ort, im Betrieb, die davon betroffen sind. Wenn also Einzelmitglieder oder Betriebsgruppen der Meinung sind, dass ein Betriebsrat für sie Sinn macht, so obliegt dies deren Entscheidung. Das Organizing und praktische und gelebte Solidarität sind unsere primäre Antwort auf Stellvertreter*innenpolitik.

 

#3 Ich bin Betriebsrat/Betriebsrätin. Kann ich bei euch Mitglied werden?

Ja!

 

#4 Wer wird bei euch Mitglied?

Diejenige die dir deinen Cheesburger macht; derjenige, der während der neuen Vernissage im Nobelhotel die Toiletten putzt; die Krankenschwester mit der Doppelschicht; der Taxifahrer vor dir; diejenigen, die Bio-Erdbeeren auf den Feldern pflücken, dein Rad reparieren, mit Wohnungslosen arbeiten, lernen und lehren, Maschinen bauen und reparieren, im Büro Akten schlichten, deinen Anruf im Callcenter beantworten, dir Kaffee machen, unsichtbar in den Gastronomieküchen dein Geschirr abwaschen; Menschen die illegalisiert arbeiten müssen; Menschen, die keine Lohnarbeit finden; Studierende; Menschen die in Pension sind – kurz: alle, die dazu gezwungen sind, Lebenszeit gegen Geld einzutauschen.

 

#5 Ich wohne nicht in Wien. Kann ich trotzdem Mitglied werden?

Ja. Egal wo du wohnst, du kannst Mitglied der IWW werden. Kontaktiere einfach deine nächste Ortsgruppe, die IWW Wien (wien@iww.or.at) oder GLAMROC-Sekretariat (glamroc@wobblies.org) Selbstverständlich helfen wir dir/euch gerne dabei eine Ortsgruppe und Betriebsgruppe aufzubauen.

 

#6 Bekomme ich bei euch Beratungen und Bildungsmöglichkeiten?

Selbstverständlich. Wir haben aktive Mitglieder, die sich beruflich in vielen rechtlichen Bereichen auskennen, auch gibt es Mitglieder bei uns, die viel Erfahrung und Trainings zu verschiedenen Themen haben. Weiters hast du als Mitglied ebenfalls Möglichkeiten an Trainings teilzunehmen.

 

#7 Ich bin ja eh Mitglied der AK, warum sollte ich Mitglied der IWW werden?

Die AK ist eine gesetzliche Interessenvertretung, deren Aufgabe in erster Linie in Rechtsberatung und manchmal auch in der juristischen Vertretung von Arbeiter*innen besteht. Die AK verfolgt nicht das Ziel in einem Betrieb zu organisieren, und vor allem ist für die AK nur das von Relevanz, was dezidiert gegen die Gesetze verstößt. Ziel der IWW ist jedoch auch die Verbesserung und nicht die Beibehaltung der Arbeitsbedingungen. Weiters steht die AK nicht allen Arbeiter*innen offen, es gibt eine lange Liste von Personengruppen die von der Mitgliedschaft und dadurch auch von den Beratungstätigkeiten der AK ausgeschlossen sind (z.B. illegalisierte Arbeiter*innen, Scheinselbstständige, etc.).

 

#8 Es gibt ja den ÖGB als Gewerkschaft!

Der ÖGB fällt unter die Kategorie der sogenannten Servicegewerkschaften, die sehr stark hierarchisch und zentralistisch sind. Du bezahlst einen Mitgliedsbeitrag und bekommst dafür gewissen Leistungen (wenn du lange genug bezahlt hast). Der ÖGB ist selbst mit vergleichbaren Gewerkschaften in anderen Ländern stark undemokratisch. Die meisten Entscheidungen werden von Funktionär*innen getroffen und nicht von den Mitgliedern. Der ÖGB versucht in erste Linie Betriebsräte zu installieren, die sich finanziell für den ÖGB rechnen, die dann im Interesse des ÖGB oder mit dem ÖGB verbundenen Parteien agieren sollen. Desweiteren liegt dem ÖGB der soziale Frieden und die Sozialpartnerschaft über alles am Herzen, und es werden sehr häufig Entscheidungen zugunsten der Bosse und nicht zugunsten der Arbeiter*innen getroffen. Weiters ist der ÖGB ambivalent gegenüber rechter Hetze, Ausgrenzung und beteiligt sich unternehmerisch an Betrieben, etwa im Bereich kommerzieller Wohnbau, Versicherungen und Banken. Teilweise sind freigestellte ÖGB-Betriebsräte sogar teil des Managements von großen Unternehmen und leisten ihren Beitrag zu Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen. Schließlich ist der in ÖGB der Logik des angeblich alternativlosen ewigen Wachstums der Wirtschaft verhaftet.

Natürlich gibt es Personen, für die es Sinn macht, Mitglied im ÖGB oder auch einer anderen Gewerkschaft zu sein. Hier sei nur erwähnt, dass es kein Problem ist, Mitglied der IWW und einer anderen Gewerkschaft zu sein.

 

#9 Kann man euch finanziell Unterstützen?

Ja! Wir finanzieren unsere Tätigkeit alleine aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Wir besitzen keine Eigentumshäuser, vermieten keine Grundstücke, und unser Streikfond ist nicht in den Händen von Bossen. Wenn ihr spenden wollt, findet ihr hier alle Informationen, die ihr dafür braucht.

 

#10 Streikfond?

Die IWW Wien besitzt einen eigenen Streikfond. Alle Mitglieder, die regelmäßig ihre Mitgliedsbeiträge bezahlen, haben Anspruch auf Leistungen daraus. Überregional gibt es weiters Unterstützungsfonds, damit wir unseren Mitgliedern im Falle von Arbeitskämpfen finanziell unterstützen können.

 

#11 Ich Lohnarbeitslos, kann ich trotzdem Mitglied der IWW werden?

Ja. Auch lohnarbeitslose Menschen sollten sich organisieren, sei es um geschlossener gegen Schikanen agieren zu können, Unterstützung zu erhalten.