{"id":531,"date":"2017-06-22T12:23:13","date_gmt":"2017-06-22T11:23:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.iww.or.at\/?p=531"},"modified":"2017-06-22T12:29:32","modified_gmt":"2017-06-22T11:29:32","slug":"segensreiche-sozialpartnerschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.iww.or.at\/en\/allgemein\/segensreiche-sozialpartnerschaft\/","title":{"rendered":"Segensreiche Sozialpartnerschaft"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00d6GB und GPA-djp k\u00f6nnen sich nicht so ganz entscheiden, wie toll der jahrzehntelange Klassenfriede nun wirklich ist<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Wir sehen es als Basisgewerkschaft nun wirklich nicht als unsere prim\u00e4re Aufgabe an, st\u00e4ndig die gro\u00dfen Sozialpartnerschafts-Gewerkschaft \u00d6GB zu kritisieren \u2013 das machen die durch ihre Arbeit (Stichwort allj\u00e4hrliche Kollektivabschl\u00fcsse unter Inflation) schon selber. Aber manchmal muss man halt einfach. Dieser Tage flattert GPA-djp-Mitgliedern das aktuelle Zeitschriftenpaket ins Haus, bestehend aus der <i>Kompetenz<\/i>, dem Magazin der GPA, und dem \u00d6GB-Magazin <i>Solidarit\u00e4t<\/i>. Beim Durchbl\u00e4ttern der <a href=\"http:\/\/www.iww.or.at\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/1_solidarit_sozpart.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-529 alignleft\" src=\"http:\/\/www.iww.or.at\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/1_solidarit_sozpart-204x300.jpg\" alt=\"\" width=\"204\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.iww.or.at\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/1_solidarit_sozpart-204x300.jpg 204w, https:\/\/www.iww.or.at\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/1_solidarit_sozpart-768x1129.jpg 768w, https:\/\/www.iww.or.at\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/1_solidarit_sozpart-697x1024.jpg 697w\" sizes=\"(max-width: 204px) 100vw, 204px\" \/><\/a><i>Solidarit\u00e4t<\/i> bleibt man an einem Artikel h\u00e4ngen, der sich im hinteren Drittel versteckt. \u201eDie Sozialpartnerschaft \u2013 eine St\u00e4rke \u00d6sterreichs\u201c, lautet der Titel. Auf einer ganzen Seite wird hier der seit 1945 praktizierte Klassenfriede beschworen und als Erfolgsmodell gepriesen. Da zuletzt von rechten PolitikerInnen und von Industriellenvertretern die Sozialpartnerschaft immer wieder in Frage gestellt wurde, sieht sich der \u00d6GB bem\u00fc\u00dfigt, diese ihren Mitgliedern zu erkl\u00e4ren. \u201eDie Sozialpartner bem\u00fchen sich, Probleme und Herausforderungen im Dialog \u2013 also ohne offene Austragung von Konflikten \u2013 zu l\u00f6sen und f\u00fcr alle Beteiligten akzeptable L\u00f6sungen zu erreichen.\u201c Eine Gewerkschaft, die Konflikte \u201eoffen\u201c austragen w\u00fcrde \u2013 wo k\u00e4men wir da hin? Jedenfalls nicht zu dem Erfolg, den die <i>Solidarit\u00e4t<\/i>-Redakteure besonders hervorheben: \u201eWeil viele Interessen auf dieses Art und Weise verhandelt und gel\u00f6st werden, gibt es in \u00d6sterreich einen ausgepr\u00e4gten sozialen Frieden und EU-weit am wenigsten Streiks.\u201c Ja wunderbar, denn Stress und Konflikte mag ja wirklich niemand.<\/p>\n<p>Aber halt, k\u00f6nnte sich das lesende \u00d6GB-Mitglied nun fragen: kann das \u00fcberhaupt funktionieren? Immerhin will mein Chef immer was anderes als ich! Keine Angst, versichern da die \u00d6GB-RedakteurInnen: \u201eSozialpartnerschaft bedeutet nicht, dass unterschiedliche Interessen negiert werden oder dass es keine Auseinandersetzungen gibt. Vielmehr ist es so, dass zwischen den gegens\u00e4tzlichen Interessen durch die Bereitschaft zum Kompromiss ein Ausgleich zum Vorteil aller gefunden werden kann.\u201c<\/p>\n<p><strong>Zum Vorteil aller?<\/strong><\/p>\n<p>Uff, nochmal Gl\u00fcck gehabt. \u201eZum Vorteil aller\u201c klingt ja wirklich super! Entspannt nimmt das \u00d6GB-Mitglied nun die <i>Kompetenz<\/i> in die Hand und bl\u00e4ttert. Da, etwa in der Mitte des Blattes, bleibt der Blick auf einer Seite voller gro\u00df gedruckter Zahlen h\u00e4ngen. \u201e51-mal so viel wie seine MitarbeiterInnen verdient ein ATX-Manager\u201c, steht da. \u201e1,500.000 \u20ac verdiente im Schnitt ein Vorstand eines ATX-Unternehmens im Vorjahr\u201c. Hm, na gut, denkt das \u00d6GB-Mitglied nun, vielleicht haben die Bosse der zwanzig gr\u00f6\u00dften b\u00f6rsennotierten Unternehmen unseres Landes halt doch so viel Verantwortung, dass sie so viel verdienen m\u00fcssen?<\/p>\n<p>Doch was liest man da in der n\u00e4chsten Zeile: \u201e172 % sind die Vorstandsgagen seit 2003 gestiegen \u2013 30 % stieg in derselben Zeit das Medianeinkommen\u201c, also das mittlere Einkommen. Oha, das betrifft mich dann vielleicht doch direkt, denkt sich nun das \u00d6GB-Mitglied. Und was hat das eigentlich mit \u201ePartnerschaft\u201c und \u201ezum Vorteil aller\u201c zu tun, wie es in dem anderen Artikel beschrieben wurde?<\/p>\n<p>Auch die weiteren Fakten, die in der <i>Kompetenz<\/i> aufgelistet sind, sprechen eine deutliche Sprache:<a href=\"http:\/\/www.iww.or.at\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2_kompetenz.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-530 alignright\" src=\"http:\/\/www.iww.or.at\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2_kompetenz-207x300.jpg\" alt=\"\" width=\"207\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.iww.or.at\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2_kompetenz-207x300.jpg 207w, https:\/\/www.iww.or.at\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2_kompetenz-768x1115.jpg 768w, https:\/\/www.iww.or.at\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2_kompetenz-705x1024.jpg 705w\" sizes=\"(max-width: 207px) 100vw, 207px\" \/><\/a><\/p>\n<p>\u201e1\/3 der Besch\u00e4ftigten sieht sich Burn-out-gef\u00e4hrdet und jeder Dritte kennt F\u00e4lle von Burn-out.\u201c<\/p>\n<p>\u201e52 % der Besch\u00e4ftigten machen gelegentlich, 17 Prozent sogar h\u00e4ufig \u00dcberstunden.\u201c<\/p>\n<p>\u201e70% aller Besch\u00e4ftigten, die h\u00e4ufig \u00dcberstunden machen, w\u00fcnschen sich k\u00fcrzere Arbeitszeiten.\u201c<\/p>\n<p>\u201e41,5 Std. betr\u00e4gt die durchschnittliche Normalarbeitszeit in \u00d6sterreich. Im EU-Schnitt sind es 40,3 Stunden. Nur in Gro\u00dfbritannien und Portugal wird l\u00e4nger gearbeitet.\u201c<\/p>\n<p>\u201e1975 \u2013 also vor 42 Jahren \u2013 wurde zum letzten Mal die gesetzliche Arbeitszeit verk\u00fcrzt: Es wurde die 40-Stunden-Woche eingef\u00fchrt.\u201c<\/p>\n<p>K\u00f6nnte das hei\u00dfen, dass w\u00e4hrend der vergangenen 42 Jahre vielleicht doch eher die Interessen der Unternehmer und Industriellen zum Zug gekommen sind, und nicht jene der arbeitenden Menschen? Danke \u00d6GB, eure \u201eSozialpartnerschaft\u201c scheint ja wirklich super zu funktionieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>X362256<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00d6GB und GPA-djp k\u00f6nnen sich nicht so ganz entscheiden, wie toll der jahrzehntelange Klassenfriede nun wirklich ist<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":532,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[52],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.iww.or.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/531"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.iww.or.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.iww.or.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.iww.or.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.iww.or.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=531"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.iww.or.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/531\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":536,"href":"https:\/\/www.iww.or.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/531\/revisions\/536"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.iww.or.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/532"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.iww.or.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=531"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.iww.or.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=531"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.iww.or.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=531"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}